Aktuelle News · 17.11.2020

Die Essays von Warren Buffett – Aggregiertes Know-How des „Orakels von Omaha“

Warren Buffett ist eine Investment-Legende. Was aber viele nicht wissen: Er hat auch eine Vielzahl Essays geschrieben, in denen er über seine Erkenntnisse und Erfahrungen berichtet. Diese wertvollen Inhalte sind im Buch „The Essays of Warren Buffett: Lessons for Corporate America“ zusammengefasst. Wir haben die wichtigsten Inhalte für Sie auf den Punkt gebracht in der November-Ausgabe unserer Mitgliederzeitschrift „Marathon Investor“.

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Autor*in Tobias Gabriel

Warren Buffett hat mit Berkshire Hathaway den besten Track Record aller Zeiten hingelegt. Was aber viele nicht wissen: Er hat auch eine Vielzahl jährlicher Essays geschrieben, in denen er über seine Erkenntnisse und Erfahrungen berichtet. Diese wertvollen Inhalte sind im Buch „The Essays of Warren Buffett: Lessons for Corporate America“ von Lawrence A. Cunningham zusammengefasst.

Der Autor des eingangs genannten Buchs veröffentlichte parallel ein Paper an der George Washington University („Introduction to the Essays of Warren Buffett“). Darin sind die wichtigsten Lektionen zusammengefasst. Die Prinzipien solider Geschäftspraktiken aus Sicht von Warren Buffett reichen dabei von der Auswahl der richtigen Manager über die Bewertung von Unternehmen bis hin zum Aufbau einer gesunden Unternehmenskultur. Im Folgenden stellen wir die Quintessenz des Papers vor.

Das zentrale Thema, das die Essays von Warren Buffett verbindet, ist die fundamentale Analyse, die er von Benjamin Graham und David Dodd erlernte. Ein wichtiges Prinzip ist dabei, so zu denken wie ein Eigentümer des jeweiligen Unternehmens. Weiterhin bauten Warren Buffett und sein Partner Charlie Munger Berkshire Hathaway mit der Idee auf, in hervorragende Unternehmen zu investierten, die von hervorragenden Managern geführt werden. Dabei bevorzugten sie falls möglich eine ausgehandelte, vollständige Übernahme der jeweiligen Unternehmen zu einem fairen Preis. Aber sie gaben sich auch mit kleineren Beteiligungen zufrieden, die sie am Aktienmarkt aufkauften, wenn das zu einem deutlich besseren Preis als bei einer vollständigen Übernahme möglich war.

Theorie vs. Praxis

Klassische Finanzmarkttheorien besagen etwas vereinfacht, dass es Zeitverschwendung ist, einzelne Anlagemöglichkeiten in öffentlich handelbaren Wertpapieren zu untersuchen. Am besten sollte man demnach ein breit diversifiziertes Portfolio halten. Es ist sozusagen die wissenschaftliche Begründung dafür, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Im Lauf der Zeit hat sich diese Sicht der effizienten Märkte zu einem Dogma entwickelt, an das viele Marktteilnehmer glauben.

Warren Buffett ist natürlich anderer Meinung, und zwar, dass die meisten Märkte nicht vollständig effizient sind. Und sein Erfolg gibt ihm Recht. Immerhin erwirtschaftete er über mehr als 40 Jahre durchschnittliche Renditen von rund 20 Prozent im Jahr, etwa das Doppelte des breiten Marktes. Schon als Student hatte er von Benjamin Graham gelernt, dass der Preis das ist, was man zahlt, und der Wert das, was man bekommt – aber vor allem, dass diese beiden Dinge selten identisch sind, auch wenn die meisten Menschen keinen Unterschied bemerken.

Während die Theorie effizienter Märkte also leugnet, dass es einen Unterschied zwischen Preis und Wert gibt, war es für Buffett eine Goldgrube.

In seinen Essays rät er dazu, die scheinbaren Erklärungen klassischer Theorien rund um den Beta-Faktor und die Volatilität zu ignorieren. Gerade das Beta erscheint ihm absurd: Demnach ist eine Aktie, die im Vergleich zum Markt deutlich gefallen ist, plötzlich „riskanter“ als zuvor, als der Kurs noch höher stand. In der Praxis könne ein erfahrener Anleger dagegen Dinge wie die Konkurrenzsituation des Unternehmens oder das Verhalten von Kunden untersuchen und so herausfinden, wann ein starker Kursrückgang eine Kaufgelegenheit signalisiert und wann nicht.

Auch beim Thema Diversifikation weicht Buffett von klassischen Theorien ab. Er erinnert dabei an John Maynard Keynes, der nicht nur ein brillanter Ökonom, sondern auch ein cleverer Anleger war. Keynes glaubte, dass ein Investor große Summen in nur zwei oder drei Unternehmen investieren sollte, über die er wirklich informiert ist und bei denen das Management vertrauenswürdig erscheint. Eine solche konzentrierte Strategie könnte sogar die wahren Risiken (aber nicht unbedingt die Volatilität) verringern, da sich der Anleger sehr intensiv mit seinen Investments auseinandersetzt und nur dann zuschlägt, wenn er wirklich von der fundamentalen Entwicklung überzeugt ist. Das entspricht letztlich dem, was schon Stahl-Tycoon Andrew Carnegie im Jahr 1885 empfahl: „Lege alle Eier in einen Korb, und dann pass gut darauf auf!“.

Lesen Sie den ganzen Artikel im aktuellen Marathon-Investor (11/2020)