Aktuelle News · 12.10.2021

Halbleiterindustrie: Mit Silizium und Co. in Mikrochips investieren

Die Halbleiterindustrie steht vor einem gewaltigen Boom, denn die Nachfrage nach Mikrochips – deren Hauptbestandteil sie sind – steigt immer stärker. Gleichzeitig kommt es in der Produktion zu Engpässen. Erfahren Sie hier, welche Potenzial in Halbleitern steckt und wie Sie davon profitieren können.

Jetzt lesen

Autor*in Tobias Gabriel

Halbleiterindustrie: Mit Silizium und Co. in Mikrochips investieren

Die Halbleiterindustrie steht vor einem gewaltigen Boom, denn die Nachfrage nach Mikrochips – deren Hauptbestandteil sie sind – steigt immer stärker. Gleichzeitig kommt es in der Produktion zu Engpässen. Erfahren Sie hier, welche Potenzial in Halbleitern steckt und wie Sie davon profitieren können.

Auf einen Blick:
Was sind Halbleiter und welche Bedeutung haben sie?

  • Vom Smartphone über das Auto bis hin zur Raumstation: Ohne Halbleiter wie Silizium wären die meisten aktuellen und zukünftigen Technologien nicht möglich. Halbleiter sind der Hauptbestandteil von Mikrochips, Solarzellen oder LEDs.
  • Was Halbleiter auszeichnet: Ihre Leitfähigkeit lässt sich steuern. Elemente wie Silizium bilden so die Basis für komplexe Schaltkreise, die auf dem binären System („1“ vs. „0“) basieren – die Grundlage der Digitalisierung.  
  • Die Halbleiterindustrie ist interessant für Anleger, denn aktuell herrscht ein extremer Nachfrageüberschuss.
  • Auch wenn die Nachfrage nach immer leistungsfähigeren Mikrochips steigt, sollte Ihnen bewusst sein: Die Kursentwicklung hängt von der Konjunktur ab und ist nicht ohne Risiko. Angesichts neuer Zukunftstechnologien wie 5G und KI, Internet of Things oder E-Mobilität ist das Potenzial der Halbleiterindustrie aber enorm.
micro chip

Wie investiere ich in Halbleiter?

Als Anleger können Sie in Form von Aktien, gemanagten Fonds und ETFs in die Halbleiterbranche investieren. Die Halbleiterindustrie gliedert sich vor allem in diese drei Teilbranchen:

  • Chipentwicklung
  • Chipherstellung
  • Produktion entsprechender Maschinen und Anlagen

Die Marktführer in der Halbleiterindustrie

Intel, Samsung und TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Comapny) sind die drei größten Halbleiterhersteller der Welt. So sieht die aktuelle Entwicklung aus:

  • Intels neuer CEO Pat Gelsinger kündigte Anfang des Jahres an, dass man 20 Mrd. US-Dollar in zwei neue Chipfabriken in den USA investieren wolle und weitere Werke in Europa geplant seien. Das klar formulierte Ziel ist es, sich gegen das weltweite Ungleichgewicht in der Chipproduktion aufzulehnen.
  • TSMC produziert Halbleiter für Chipproduzenten wie AMD, Apple, Qualcomm oder NVIDIA, die selbst nur die Verarbeitung von Halbleitern in Chips vornehmen. Das Unternehmen will laut Wallstreet Journal in den nächsten Jahren 100 Milliarden US-Dollar in die Produktionssteigerung investieren, um die steigende Nachfrage nach Halbleitern zu befriedigen. 2020 lag der Gewinn der Firma bei über 17 Mrd. US-Dollar. 
  • Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung möchte sein Investment in die Halbleiter-Produktion auf insgesamt 151 Milliarden US-Dollar ausbauen. Der Technologie-Riese sagt damit seinen Konkurrenten den Kampf an.

Kleinere Unternehmen an der Börse

Neben den Branchenriesen gibt es auch eine Reihe unbekannter Firmen, die Anleger/innen beobachten sollten: Cree, Qorvo, MaxLinear, Semtech, Onto Innovation oder Vishay Intertechnologies. Bitte beachten Sie: Hierbei handelt es sich nicht um eine Kaufempfehlung.

Potenzial der Halbleiterindustrie: Von Engpässen geprägte Branche

Halbleiter sind in letzter Zeit teils astronomisch im Preis gestiegen. Die Nachfrage ist massiv, das Angebot hingegen knapp.

Dekoratives LED Bild

Engpässe und lange Wartezeiten

Halbleiterfabriken zu bauen, dauert lange und kostet Milliarden. Aktuell gibt es zu wenig Produktionsstätten, um die Nachfrage zu decken. Die Pandemie sorgt dazu noch immer für Lieferengpässe, sodass Chip-Produzenten und andere Halbleiterfirmen ihren Abnehmern wochenlange Wartezeiten in Aussicht stellen.

Krisen verschärfen Angebotsknappheit

Die Blockade des Suez-Kanal durch ein havariertes Schiff und eine Dürre in Taiwan, einem wichtigen Halbleiterproduzenten, kamen 2021 hinzu. Parallel wächst die Nachfrage aus fast allen Branchen stetig. Die Lockdowns im Zuge der Corona-Pandemie beschleunigen den seit Jahren anhaltenden Trend zur Digitalisierung und befeuert die Nachfrage weiter.

Halbleiter spielen nahezu in jeder Technologie eine Rolle

Da sich Halbleiter in nahezu allen innovativen, technischen Produkten wie Solarzellen, LED-Leuchtmitteln oder Mikrochips befinden, beeinflusst das die gesamte Technologiewelt. Ein Beispiel für Halbleiter-Chips sind Grafikkarten. Sie werden längst nicht nur in modernen Spielekonsolen wie der Playstation 5 oder der Nintendo Switch verbaut.

Zudem werden Halbleiter in allen Smartphones und Autos der neuesten Generation gebraucht. Sie stecken auch in den Sensoren ihrer Assistenzsysteme und sind daher elementarer Bestandteil in der heutigen Automobilproduktion. Je technologisierter die Welt wird, desto mehr Halbleiter-Nachfrage besteht also.

Wie entwickelt sich die Halbleiterindustrie weiter?

Aktuell besteht eine hohe Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern. 2020 kamen 80% des spezifischen Siliziums für Solarzellen aus China, Tendenz steigend. Es gibt Bestrebungen im Westen, dies zu verändern. So will zum Beispiel Bosch in Sachsen eine Milliarde Euro in eine neue Chipfabrik investieren.

Die EU-Kommission kündigte Anfang des Jahres den offiziellen Start einer europäischen Halbleiter-Allianz an. Analysten rechnen damit, dass der Nachfrageüberhang bspw. in der Automobilindustrie frühestens Ende 2022 bewältigt sein wird. In den kommenden ein bis zwei Jahren ist deutlich mehr Nachfrage als Angebot zu erwarten. Das beflügelt die Preisinflation im Technologiebereich, birgt aber auch Chancen für findige Investor/innen.

Wachstumstreiber in der Chip- und Halbleiterindustrie

Der Bedarf an Mikrochips und Solarzellen – und damit Halbleitern generell – steigt mit dem Ausbau folgender Zukunftstechnologien:

  • 5G-Technologie: Der neue Kommunikationsstandard wird Gesellschaft und Wirtschaft noch einmal ordentlich umkrempeln und völlig neue Geschäftsmodelle eröffnen. Es ist davon auszugehen, dass die Halbleiterindustrie davon profitiert.
  • Künstliche Intelligenz: Halbleiter ermöglichen die Verarbeitungs- und Speichermöglichkeiten, die für alle Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz nötig sind – dem vielleicht größten Megatrend der kommenden Jahre.    
  • Internet der Dinge: Internet of Things (IoT) beschreibt die zunehmende Verzahnung physischer und virtueller Objekte – Beispiele reichen vom intelligenten Kühlschrank bis hin zum KI-gesteuerten Stromnetz. IoT-fähige Geräte kommen nicht ohne Halbleiter aus.
  • E-Mobilität und Autonomes Fahren: Die Weiterentwicklungen in der Halbleiterbranche geht Hand in Hand mit der Mobilitätswende. So sorgen moderne Chips für mehr Reichweite. Auch beim autonomen – auf KI-basierenden – Fahren, spielen Halbleiter als „Rohstoff“ eine entscheidende Rolle. 

Das könnte Sie auch interessieren:

Ratgeber: In Anleihen investieren: Ist das noch sinnvoll?