Aktuelle News · 14.10.2021

Marktkommentar: Die Bedeutung der Bundestagswahl für Anleger

Aus dem Pfadfinder-Brief Nr. 18 vom 25. September 2021, von Daniel Haase, Fondsmanager und Vorstand beim Hamburger Vermögensverwalter HAC

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Autor*in Tobias Gabriel

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

vor elf Monaten widmeten wir die Kolumne im Pfadfinder-Brief der Frage, welche Bedeutung die US-Präsidentschaftswahl für die Märkte hätte. Das für Politikbegeisterte möglicherweise etwas ernüchternde Fazit:sowohl in Bezug auf die annualisierte Rendite des S&P 500 als auch in Bezug auf die besten und schlechtesten Performer auf Sektorenebene gab es keine nennenswerten Unterschiede zwischen der Amtszeit von Barack Obama und jener von Donald Trump. Grundsätzlich haben politische Börsen eher kurze Beine (von Ereignissen wie in Russland 1917 mal abgesehen). Wenn es für die Märkte schon keinen großen Unterschied macht, ob Trump oder Obama im Weißen Haus sitzen, wird es dann einen großen Unterschied machen, ob Armin Laschet oder Olaf Scholz oder jemand anderes die morgige Bundestagswahl bzw. die nachfolgenden Koalitionsverhandlungen gewinnt?

Abb. 1: Mit einem Kursplus von über 50% im laufenden Jahr gehört China National Nuclear Power zu den stärksten Aktien in China. Die Welt scheint sich nicht an der deutschen Energiewende zu orientieren. Daran wird auch die Bundestagswahl wenig ändern. Quellen: Tai-Pan (Lenz + Partner)

Ohnehin besteht der wesentliche Vorteil der Demokratie, so Karl Popper, darin, eine Regierung ohne Blutvergießen loswerden zu können. Es kommt mithin weniger auf die Wahl, sondern vielmehr auf die Möglichkeit zur Abwahl an.

Richten wir den Blick auf die großen Trends: Peter Scholl-Latour hat in einem seiner letzten öffentlichen Auftritte beschrieben, wie sich in seiner Lebensspanne die weltweite Vorherrschaft des weißen Mannes respektive jene des Westens nach und nach in Luft auflöst. Wir befinden uns zweifellos in einem recht fortgeschrittenen Stadium dieses Prozesses. Nicht nur im Außenverhältnis zur Welt erodiert die Kraft des(ehemals) freien Westens, auch im Inneren sind Entwicklungen erkennbar, die gewisse Ähnlichkeiten zu Autoimmunerkrankungen aufweisen. Derartige Umbruchphasen hat es in der Geschichte immer wieder gegeben und sie gehen typischerweise mit erhöhten Risiken aber natürlich auch Chancen einher. Wer als Investor erfolgreich durch sie navigieren möchte, benötigt ein erhebliches Maß an Flexibilität. Wenn der langfristige Kaufkrafterhalt das Ziel ist, sind Sparbuchguthaben, Termingelder oder Staatsanleihen schon in relativ stabilen Zeiten keine allzu sinnvollen Anlagevehikel. Dies gilt erst recht, wenn die politischen Rahmenbedingen in den kommenden Jahrzehnten – wie von mir vermutet – weltweit volatiler werden. Neben der normalen Gewinnentwicklung der Unternehmen gibt es für Aktien in solchen Zeiten einen potenziell sehr kräftigen zusätzlichen Kurstreiber: Umschichtungen aus Nominalwerten in Sachwerte.

Herzliche Grüße
Ihr Daniel Haase

PS: Der nächste Pfadfinder-Brief ist für Samstag, den 09. Oktober 2021, geplant.

ÜBER Daniel Haase

Daniel Haase (geb. 1976, Mecklenburg) ist Fondsmanager und Vorstand der HAC VermögensManagement AG in Hamburg. Die Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands zeichnete sowohl die von ihm entwickelten Methoden zur Trendanalyse (2009) als auch jene zur Aktienauswahl (2019) mit VTAD Awards aus. Seit 2015 ist der gelernte Bankkaufmann beim Hamburger Vermögensverwalter HAC als Vorstand für das Asset Management zuständig. Nachdem der Marathon Stiftungsfonds (WKN: A143AN) des Hamburger Finanzhauses auch den Corona-Crash erfolgreich meisterte, verliehen die Ratingagenturen FWW und Morningstar dem Fonds im Sommer 2020 die bestmögliche Bewertung von fünf Sternen. Sein Marktkommentar (Pfadfinder-Brief) erscheint alle zwei Wochen und ist Bestandteil des Community-Premium-Pakets.