Aktuelle News · 03.05.2021

Marktkommentar: Ostasien übernimmt die Führung in der Welt

Aus dem Pfadfinder-Brief Nr. 09 vom 01. Mai 2021, von Daniel Haase, Fondsmanager und Vorstand beim Hamburger Vermögensverwalter HAC

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Autor*in Tobias Gabriel

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

vor einigen Jahren präsentierte ein Referent auf der Internationalen Kapitalanlegertagung in Zürich einen Chart, welcher das Wirtschaftswachstum pro Kopf in den zurückliegenden Jahren in verschiedenen Ländern ins Verhältnis zur Zustimmung zur Globalisierung in der jeweiligen Bevölkerung setzte. In Westeuropa und Amerika war das Wirtschaftswachstum eher bescheiden. Die Zustimmung zur Globalisierung war in den vielen westlichen Ländern bei unter 50%, in Amerika bei nur 40%, in Frankreich und Italien sogar darunter. In Ostasien hingegen wuchs die Wirtschaft deutlich schneller und die Zustimmung zur Globalisierung war viel höher: über 70% beispielsweise in Singapur, Thailand, Malaysia oder Indonesien, über 80% auf den Philippinen und in Indien und in manchen Ländern wie bspw. in Vietnam lag die Zustimmung zur Globalisierung sogar bei über 90%.

Kapitalismus und weltweiter Freihandel haben ihre Versprechen von signifikant weniger Armut, wachsendem Wohlstand, besseren Bildungs- und Aufstiegschancen in atemberaubendem Tempo mehr als erfüllt, jedoch vornehmlich für Milliarden Menschen in den Schwellenländern und hier vor allem in Asien. In den Staaten der Europäischen Union und in den Vereinigten Staaten von Amerika hingegen kommen die Realeinkommen im Median seit gut zwei Jahrzehnten nicht mehr voran. Ob in der 2008er-Finanzkrise, der 2012er-Eurokrise oder jetzt der 2020erCorona-Krise: Die Wirtschaften Ostasiens geraten weniger stark unter Druck und erholen sich mit größerer Dynamik als der Westen (s. Abb. 1).

Abb. 1: BIP-Wachstum im Corona-Jahr 2020 (rot) und erwartete Erholung des BIP in 2020 in Ostasien, USA und Eurozone. Quellen: IWF, Statista, ADB im April 2021

Im politischen Diskurs hierzulande wird diesen Entwicklungen keine allzu große Bedeutung beigemessen. Man darf schon froh sein, wenn das Management der aktuellen Herausforderungen halbwegs gelingt. Für die Zukunft gibt es allerlei hoffnungsfrohe, grüne Pläne aber kein Konzept, wie man im Wettbewerb mit den Ostasiaten bestehen will.

Auch in punkto Bildung und Innovation ziehen die Ostasiaten dem Westen davon. Während die Zahl der internationalen Patente auf eine Million Einwohner bspw. in Deutschland und den USA seit 15 Jahren im Grunde stagniert, hat sie sich in Japan mehr als verdoppelt, in Südkorea fast vervierfacht und ist in China (von niedrigem Niveau aus) um den Faktor 21 geradezu explodiert (s. Abb. 2a).

Abb. 2a: Patentanmeldungen auf eine Mio. Einwohner im Ländervergleich

Unsere regelbasierte Auswahl internationaler Qualitätsaktien scheint auf die beschriebenen Entwicklungen bereits zu reagieren. Grundsätzlich gilt: Wir machen keinerlei Vorgaben in Bezug auf die regionale Zusammensetzung unseres Portfolios. Wir wollen uns jedoch nur an jenen Unternehmen beteiligen, die alle unsere Qualitätskriterien erfüllen und deren Aktien sich im Wettbewerb mit allen anderen, weltweit verfügbaren Titeln durchsetzen. Seit geraumer Zeit bemerken wir, dass bei dieser Qualitätsauslese der Anteil asiatisch-pazifischer Unternehmen sukzessive wächst. Während im MSCI World gerade einmal 14% aus dieser Region stammen, sind es bei uns bereits 38% (s. Abb. 2b).

Abb. 2b: Regionalgewichte im Aktienportfolio des MASTIF vs. MSCI World

Gleichzeitig schrumpfte der Anteil von Aktien aus dem eher teuren US-Aktienmarkt. Unsere Auswahlkriterien führen interessanterweise zu einem Portfolio, welches die Stabübergabe des Westens an Ostasien bereits in Teilen vorwegnimmt.

Wenn Sie Ihr Einkommen aus europäischen Quellen beziehen, wenn sich Ihre selbstgenutzte Immobilie ebenso wie etwaige vermietete Objekte in Deutschland bzw. in Europa befinden, dann könnten Sie überlegen, ob Sie Ihr Wertpapierdepot dazu zu nutzen, gezielt Ihre Abhängigkeit von den Entwicklungen in Deutschland und Europa zu verringern und über internationale Aktien stärker von den Chancen der übrigen Welt zu profitieren.

Herzliche Grüße
Ihr Daniel Haase

PS: Der nächste Pfadfinder-Brief ist für Samstag, den 15. Mai 2021, geplant.

ÜBER Daniel Haase

Daniel Haase (geb. 1976, Mecklenburg) ist Fondsmanager und Vorstand der HAC VermögensManagement AG in Hamburg. Die Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands zeichnete sowohl die von ihm entwickelten Methoden zur Trendanalyse (2009) als auch jene zur Aktienauswahl (2019) mit VTAD Awards aus. Seit 2015 ist der gelernte Bankkaufmann beim Hamburger Vermögensverwalter HAC als Vorstand für das Asset Management zuständig. Nachdem der Marathon Stiftungsfonds (WKN: A143AN) des Hamburger Finanzhauses auch den Corona-Crash erfolgreich meisterte, verliehen die Ratingagenturen FWW und Morningstar dem Fonds im Sommer 2020 die bestmögliche Bewertung von fünf Sternen. Sein Marktkommentar (Pfadfinder-Brief) erscheint alle zwei Wochen und ist Bestandteil des Community-Premium-Pakets.