Aktuelle News · 13.07.2022

Marktkommentar: Wie enden Bärenmärkte & liegen die Bedingungen heute vor?

Aus dem Pfadfinder-Brief Nr. 12 vom 01. Juli 2022, von Daniel Haase, Fondsmanager und Vorstand beim Hamburger Vermögensverwalter HAC

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Autor*in Tobias Gabriel

«Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich ‚rausfand,
dass es welche gibt, die dafür sind, besonders jene, die nicht hingehen müssen.»
Erich Maria Remarque (1898-1970), Schriftsteller (“Im Westen nichts Neues“)

«Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl,
während des Krieges und nach der Jagd.»
Otto von Bismarck (1815-1898), erster Reichskanzler des Deutschen Reiches

«Inflation oder Deflation sind nur zwei Fremdwörter für Pleite.»
Carl Fürstenberg (1850-1933), deutscher Bankier

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

das erste Halbjahr 2022 war für US-Standardaktien (S&P 500 Index: -21%) das schlechteste erste Halbjahr seit 1962. Auch Nebenwerte (Russell 2000: -24%) und Technologietitel (Nasdaq: -30%) wurden hart getroffen. Hierzulande rutschten die Kurse ebenfalls massiv ab. Früher stabilisierten Staatsanleihen in solchen Zeiten das Portfolio, doch im laufenden Jahr standen auch sie heftig unter Druck: 10jährige Festverzinsliche verloren in den USA über 11%, in Deutschland 12% und in Italien nahezu 20%. Die Konzentration auf Qualitätsaktien half, die Kursrisiken in unserer durchgehend vollinvestierten Aktienstrategie (DIVIDENDENSTARS) auf etwa 12% zu begrenzen. Noch deutlich größere Effekte erzielte unser aktives Risikomanagement: Für unsere drei vom Pfadfinder-System geschützten HAC Quant – Strategien RENDITEPLUS (defensiv), STIFTUNGSFONDS (flexibel) und MEGATRENDS (dynamisch) beliefen sich die Rücksetzer auf für diese Zeiten vergleichsweise moderate 3% bis 4%. Jede dieser drei Strategien schnitt damit weit besser ab als die jeweiligen Vergleichsgruppen (FWW Sektor Ø weltweit anlegender Mischfonds: defensiv: -10%, flexibel: -11%, offensiv: -13%, s. Abb.1).

Nach dem STIFTUNGSFONDS wurde im laufenden Jahr auch der RENDITEPLUS sowohl von Morningstar als auch von FWW Fundstars mit der Bestnote (5 Sterne) ausgezeichnet.

Die globalen Aktienmärkte stecken zweifelsfrei in einem handfesten Bärenmarkt. Die Vorteile von Bärenmärkten liegen auf der Hand: Sie sind zeitlich viel begrenzter als Bullenmärkte und an ihrem Ende können jene, die sich trauen und liquide sind, Aktien ausgesprochen billig erwerben. Es stellt sich daher die Frage, wie enden Bärenmärkte? Die folgenden Bedingungen müssen üblicherweise für ihr Ende erfüllt sein:

– auf der Stimmungsebene außergewöhnlich große Angst, mehrere Handelstage mit panikartigen Ausverkäufen (extremen Umsätzen)
– auf der Zentralbankebene lockere Geldpolitik
– auf der Währungsseite ein schwächerer US-Dollar (das erlaubt anderen Zentralbanken, ebenfalls zu lockern)
– auf der fundamentalen Seite sehr günstigen Daten (niedrige KGVs, hohe Dividendenrenditen usw.) sowie
– auf der Inflationsebene fallende Energiepreise (wirkt auf Konsumenten wie Steuersenkungen, kurbeln Konsum an).

Wie schauen die Bedingungen aktuell aus? Wir können nur leicht erhöhte Sorgen messen, aber – zumindest bisher – keine Panik. Die meisten Zentralbanken straffen ihre Geldpolitik. Der Dollar ist stark. Aktien sind günstiger als vor einem halben Jahr, doch im wichtigsten Markt, den USA, sind sie weit von günstig entfernt. Selbst wenn keine die Unternehmensgewinne drückende Rezession kommen sollte, sind die Bewertungen bestenfalls nah am langjährigen Durchschnitt. Deutlich fallende Energiepreise liegen aktuell ebenfalls nicht vor.

Natürlich ist möglich, dass sich im zweiten Halbjahr ein oder mehrere Bedingungen aus der o. g. Liste erfüllen. Wir bleiben da für Sie am Ball. Doch solange kein einziger der o. g. Punkte erfüllt ist, erscheinen uns die Chancen auf ein baldiges Ende des laufenden Bärenmarktes eher gering zu sein.

In unserem Stiftungsfonds haben wir die kleineren und größeren Turbulenzen der zurückliegenden Jahre erfolgreich gemeistert (s. Abb. 2), im aktuellen Umfeld geht die Schere zwischen traditionellen Strategien – die den Sektordurchschnitt dominieren – und unserem regelbasierten Ansatz weit auseinander. Ganz persönlich freue ich mich auf die Gelegenheit, am Ende des Bärenmarktes sehr günstig einkaufen zu können. Doch bis es so weit ist, bleibt aktives Risikomanagement Trumpf.

Herzliche Grüße
Ihr Daniel Haase

PS: Der nächste Pfadfinder-Brief ist für das Wochenende 30./31. Juli 2022 geplant.

ÜBER Daniel Haase

Daniel Haase (geb. 1976, Mecklenburg) ist Fondsmanager und Vorstand der HAC VermögensManagement AG in Hamburg. Die Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands zeichnete sowohl die von ihm entwickelten Methoden zur Trendanalyse (2009) als auch jene zur Aktienauswahl (2019) mit VTAD Awards aus. Seit 2015 ist der gelernte Bankkaufmann beim Hamburger Vermögensverwalter HAC als Vorstand für das Asset Management zuständig. Nachdem der Marathon Stiftungsfonds (WKN: A143AN) des Hamburger Finanzhauses auch den Corona-Crash erfolgreich meisterte, verliehen die Ratingagenturen FWW und Morningstar dem Fonds im Sommer 2020 die bestmögliche Bewertung von fünf Sternen. Sein Marktkommentar (Pfadfinder-Brief) erscheint alle zwei Wochen und ist Bestandteil des Community-Premium-Pakets.