Aktuelle News · 29.03.2021

Marktkommentar: Wohin fliehen die Anleger aus dem Rentenmarkt?

Aus dem Pfadfinder-Brief Nr. 07 vom 27. März 2021, von Daniel Haase, Fondsmanager und Vorstand beim Hamburger Vermögensverwalter HAC

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Autor*in Tobias Gabriel

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

in den zurückliegenden sechs Monaten haben sich die Renditen für langfristige USStaatsanleihen um einen vollen Prozentpunkt erhöht auf aktuell rund 1,7% für 10jährige und 2,4% für 30jährige Titel. Die Kurse bereits laufender Anleihen brachen entsprechend ein. Die im Mai 2020 zu 100% begebene 30jährige Anleihe krachte bspw. um bis zu 26% nach unten (s. Abb. 1).

Abb. 1: Kursrutsch bei einer 30jährigen 1,25% US-Staatsanleihe 2020/2050. Quellen: Tai-Pan (Lenz + Partner)

Welche Ertragschancen stehen diesem aktienähnlichen Risiko gegenüber? Ein Zinskupon von 1,25% sowie die Garantie der US-Regierung auf Rückzahlung von 100% im Mai 2050. Allerdings dürfte die Kaufkraft von einem Dollar bis zur Rückzahlung inflationsbedingt deutlich unter der heutigen liegen. Die US-Notenbank strebt nach eigenen Aussagen eine Inflation von ungefähr 2% an. Falls dieses Ziel realisiert wird, hat ein Dollar bei Fälligkeit im Mai 2050 noch etwa die Kaufkraft von 56 heutigen Cent. In den vergangenen Jahren konnten sich Anleger in Staatsanleihen dank ansehnlicher Kursgewinne über stetig gen Null schrumpfende Zinskupons leicht hinwegtrösten. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. Ohne weiter sinkende Zinsen entfallen jedoch die wichtigen Kursgewinne als Ersatzertrag und die unangenehme Realität im Niedrig- bis Negativ-Zins-Umfeld frisst sich erbarmungslos in die Rentendepots. Anders als in den Vorjahren steigt nun der Druck auf Rentenanleger, zu handeln. Sollten – wie in den USA – die Zinsen auch nur leicht steigen, drohen ihnen zusätzlich erhebliche Kursverluste. Nicht wenige Anleger dürften es anstreben, diesem Risiko durch einen Ausstieg aus dem Rentenmarkt zuvorzukommen. Damit materialisiert sich dieses Risiko, was wiederum weitere Anleger zum Handeln zwingt. Null oder gar negativ verzinste Liquidität wird bestenfalls eine Durchgangsstation für diese Anleger sein. Wohin werden sie sich aber letztendlich mit ihren Verkaufserlösen wenden? Braucht es viel Phantasie anzunehmen, dass signifikante Beträge der in den kommenden Monaten aus dem Rentenmarkt abfließenden Gelder in Richtung Aktienmarkt streben dürften?

Ich vermute, dieser Prozess der Umschichtung von Rentengeldern in den Aktienmarkt hat bereits begonnen: Während die in Abb. 2 zu sehende US-Staatsanleihe im laufenden Jahr Kursverluste von 15% erlitt, verzeichnete der US-Aktienmarkt (Leitindex: S&P 500) bereits Gewinne von über 5%, der japanische Nikkei stieg zeitgleich um über 6% und der STOXX Europe 600 konnte sogar glatte 7% zulegen. Wir sind bei HAC für diese Entwicklung m.E. gut aufgestellt: Auf Basis der Börsenschlusskurse vom gestrigen Freitag liegt unser Marathon Stiftungsfonds im laufenden Jahr nunmehr mit 7% im Plus und unser Marathon – Aktien DividendenStars kommt sogar der Marke von +9% recht nah (In den offiziellen Fondspreisen wird beides aufgrund der üblichen, um einen Bankarbeitstag verzögerten Preisberechnung erst am Montagabend zu sehen sein).

Abb. 2: Entwicklung der Quote mittelfristiger Aufwärtstrend im Sektor „Global 4000“ (Pfadfinder-Matrix)

Unsere mittelfristigen Trendstrukturdaten (s. Abb. 2) zeigen nach wie vor eine sehr breit abgestützte Hausse. Weltweit werden 58 der von uns beobachteten 65 Sektoren von Aufwärtstrends dominiert, kein einziger hingegen von Abwärtstrends. So endet kein Bullenmarkt! Im Gegenteil: Die in den Volatilitätsindizes ablesbaren Sorgen der Anleger, die im Zuge der Corona-Krise trotz immenser Kursgewinne in der Erholung überdurchschnittlich hoch blieben, gehen nun langsam aber sicher zurück. Üblicherweise gehen solche Entwicklung mit weiter steigenden Kursen einher. Natürlich sind in auch in einem starken Bullenmarkt jederzeit kleinere und hin und wieder auch größere Korrekturen möglich. Nur entziehen sich diese einer seriösen Prognostizierbarkeit. In Bärenmärkten werden Investoren, die mit viel Cash an der Seitenlinie auf günstige Gelegenheiten warten, üblicherweise belohnt. Doch wir befinden uns derzeit in einem starken Bullenmarkt und in Bullenmärkten wird das Warten auf günstigere Gelegenheiten in den allermeisten Fällen durch das Verpassen von Kursgewinnen bestraft.

Herzliche Grüße
Ihr Daniel Haase

PS: Der nächste Pfadfinder-Brief ist für Samstag, den 10. April 2021, geplant.

ÜBER Daniel Haase

Daniel Haase (geb. 1976, Mecklenburg) ist Fondsmanager und Vorstand der HAC VermögensManagement AG in Hamburg. Die Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands zeichnete sowohl die von ihm entwickelten Methoden zur Trendanalyse (2009) als auch jene zur Aktienauswahl (2019) mit VTAD Awards aus. Seit 2015 ist der gelernte Bankkaufmann beim Hamburger Vermögensverwalter HAC als Vorstand für das Asset Management zuständig. Nachdem der Marathon Stiftungsfonds (WKN: A143AN) des Hamburger Finanzhauses auch den Corona-Crash erfolgreich meisterte, verliehen die Ratingagenturen FWW und Morningstar dem Fonds im Sommer 2020 die bestmögliche Bewertung von fünf Sternen. Sein Marktkommentar (Pfadfinder-Brief) erscheint alle zwei Wochen und ist Bestandteil des Community-Premium-Pakets.