Aktuelle News · 16.10.2020

Pro & Kontra: Gold

Jeder Anleger weiß, dass Goldbarren sehr wertvoll sind. Aber taugt das Edelmetall auch als langfristiges Investment? Oder sind Aktien letztlich die grundsätzlich überlegene Anlageklasse?

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Autor*in Tobias Gabriel

Jeder Anleger weiß, dass Goldbarren sehr wertvoll sind.  Aber taugt das Edelmetall auch als langfristiges Investment? Oder sind Aktien letztlich die grundsätzlich überlegene Anlageklasse?

Pro

Die Befürworter von Gold als Langfristinvestment haben zwei schlagende Argumente. Zum einen hat sich das gelbe Edelmetall in Krisen immer wieder bewährt und ist häufig im Kurs gestiegen, wenn andere Anlageklassen an Wert verloren. Langfristig liegt die durchschnittliche Korrelation zu den großen Aktienindizes wie etwa dem S&P 500 bei nahezu null, sodass zumindest eine Beimischung schon allein aus Sicht der Diversifikation einen Gewinn sowohl für ein Aktienportfolio als auch ein gemischtes Portfolio aus Aktien und Anleihen darstellt. 

Zum anderen bietet Gold langfristig eine gute Absicherung gegen Inflationsrisiken, die gerade in unserem modernen Papiergeldsystem immer wieder auftauchen können. Nicht umsonst hat sich auf Basis der Erfahrungen vieler Anleger in Zeitablauf das Sprichwort entwickelt, dass „Gold die Inflation riecht“. Noch besser trifft es aber die bekannte Anekdote eines gewissen Peter A. Burshre, der feststellte, dass eine Unze Gold schon über Jahrhunderte den etwa gleichbleibenden Gegenwert eines hochwertigen Anzugs (und der dazugehörigen Schuhe) darstellte – und es auch heute noch tut.

Gold Monatschart seit 1971

Der Chart zeigt die Kursentwicklung von Gold in US-Dollar seit dem 15. August 1971, als US-Präsident Richard Nixon die Kopplung zum Dollar (Bretton-Woods-System) beendete und damit den bis dahin gültigen Goldstandard aufhob. Damals notierte der Goldpreis bei rund 41 US-Dollar, was bis heute (rund 1900 US-Dollar) einer jährlichen geometrischen Durchschnittsrendite von 8% entspricht.
Quelle: www.tradesignalonline.com

Seit einiger Zeit lässt sich noch ein drittes Argument anführen: Der implizite Zins von Null bei Gold ist beinahe schon ein relativer Vorteil, wenn man es mit den heutigen Negativzinsen bei Staatsanleihen vergleicht. Zwar gelten letztere im Investment-Grade-Bereich auch als „sicher“, aber ein Goldbarren ist eben ein Goldbarren – und keine Papierwährung.

Kontra

Ein klares Argument gegen Gold als Langfristinvestment ist sein gegenüber anderen Anlageklassen schlechteres Verhältnis von Volatilität zu Rendite. Das Edelmetall durchlebt Boom-and-Bust-Zyklen, die zwischenzeitliche, sehr langwierige Drawdowns verursachen.

Zwar brach der Kurs im Juli auf ein neues Allzeithoch aus, aber ausgehend vom letzten Hoch dauerte dies fast neun Jahre.

Noch weitaus schlimmer war es zuvor: Vom Hoch des Spekulationsexzesses im Januar 1980 vergingen rund 28 Jahre, bis die alten Hochs wieder erreicht wurden. Bereinigt um den realen Kaufkraftverlust des US-Dollar seit 1980 liegt Gold bis heute noch unter den damaligen Höchstkuren.

Ein weiteres Manko ist, dass der Wert von Gold ökonomisch kaum kalkulierbar ist. Die Einschätzung liegt hauptsächlich im Auge des Betrachters bzw. des Marktes. Der Grund dafür ist, dass Gold kein Produktivkapital darstellt, sondern passiv in den Tresoren der Welt verweilt. Es erwirtschaftet deshalb weder Zins noch Dividende, im Gegenteil: Es werden sogar Lagerkosten fällig. Auf diese negativen Aspekte hat zum Beispiel auch Warren Buffett mehrfach wieder hingewiesen. 

Ein drittes Kontra-Argument ist die zunehmende Konkurrenz vonseiten des Bitcoin, der auch als „digitales Gold“ bezeichnet wird. Zwar sind Kryptowährungen nach wie vor umstritten, aber unter Anlegern dennoch gefragt, sodass nicht mehr alle Welt auf Gold schielt, wie es früher der Fall war. Denn genau wie Gold stellt Bitcoin ein knappes Gut dar – und wird wohl genau aus diesem Grund ebenfalls als besonders wertvoll erachtet.

ÜBER DEN AUTOR

Tobias Gabriel

Der studierte Betriebswirt (Master of Science, Universität Hamburg) ist von Beruf Vermögensverwalter und pflegt seit knapp 10 Jahren Kontakt zu Privatanlegern, um sie bei der Geldanlage zu betreuen. Der Anlageprofi engagiert sich in der Hanseatischen Anleger Community, um Privatanlegern das Investment in Aktien, ETF’s und Fonds verständlicher, günstiger und transparenter zu machen. Da er die Sprache von Privatanlegern kennt, ist sein Job als Chef-Redakteur des Mitglieder-Magazins „Marathon Investor“, komplexe, finanzielle Sachverhalte verständlich herunterzubrechen.