Aktuelle News · 16.07.2020

Ratgeber Anlageklassen und -Produkte – für wen eignet sich was?

Die Grundvoraussetzung für erfolgreiches Investieren liegt im Verständnis der Materie. Was sind Aktien, Anleihen, ETFs und aktive Investmentfonds? Wir erläutern Ihnen in unserem Ratgeber die verschiedenen Eigenschaften, Vor- und Nachteile.

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Autor*in Tobias Gabriel

In unserem Ratgeber zu den verschiedensten Anlageklassen erläutern wir Ihnen die Begriffe hinter verschiedenen Anlageklassen und -Produkte wie z.B. „ETF’s“, zeigen Ihnen die Vor- und Nachteile auf und grenzen ab, für wen sich das Investment eignen könnte. 

Als Anlageklasse, häufig synonym auf Englisch auch bezeichnet als Asset-Klasse, versteht man eine zusammengefasste Gruppe von Finanzprodukten. Es gibt keine einheitliche Begriffsdefinition für das Wort „Anlageklasse“, daher nennen wir Ihnen hier Beispiele, die nach unserem Verständnis eine Anlageklasse bilden.

  • Aktien
  • Aktive Investmentfonds
  • Passive Investmentfonds (ETF’s)
  • Anleihen
  • Rohstoffe
  • Immobilien
  • Edelmetalle
  • Devisen/Währungen

Nicht auf alle Anlageklassen können wir in diesem Artikel eingehen aber wir gehen zunächst auf die gängigsten ein. Wenn Sie mehr Informationen benötigen, kontaktieren Sie uns gerne unter service@hanseatische-anleger-community.de oder nutzen das Kontaktformular auf der Startseite. 

Aktien

Aktien sind Beteiligungen an Unternehmen (Aktiengesellschaften). Und diese Unternehmen sind Produktivkapital und haben das Ziel, Gewinn zu machen. Es klingt deshalb nach einer lukrativen Idee, sich als Anleger durch den Kauf von Aktien ganz einfach daran zu beteiligen. Gleichzeitig sorgt die Konkurrenz der Unternehmen untereinander im Lauf der Zeit für technischen Fortschritt, der wiederum die Produktivität erhöht. Im Durchschnitt ist deshalb für unternehmerisches Risiko eine positive Rendite zu erwarten.

Was sind die Alternativen?

Tatsächlich ist es so, dass in Wahrheit nichts wirklich sicher ist. Bargeld auf dem Girokonto verliert an Kaufkraft, könnte im Rahmen einer Schuldensteuer oder die Inflation einfach um einen bestimmten Betrag reduziert werden oder einer möglichen Währungsreform unterliegen. 

Anleihen sind eine gute Idee, die sich in den vergangenen Jahrzehnten hervorragend mit Aktien kombinieren ließ. Aber ob das in dieser Form auch für die Zukunft gilt, ist angesichts der historisch extrem niedrigen Zinsen durchaus fraglich. Zudem wirkt sich bei der derzeit drastisch steigenden die Inflation auf die Geldflüsse (sogen. Kupons), die Anleihen ihren Anlegern zurückzahlen, wertmindernd aus.

Immobilien sind zwar eine beliebte Anlageklasse, aber deshalb auch entsprechend hoch bewertet und haben ein extremes Klumpenrisiko, wenn man als Privatperson nur ein Objekt besitzt. Zudem könnten sie künftig ein „immobiles“ Ziel für höhere Steuern darstellen. Gold und Silber geben zwar ein Gefühl von Sicherheit, aber waren historisch auch keine besonders guten Geldanlagen – wobei etwas Gold durchaus sinnvoll sein kann, wenn es denn sicher und kostengünstig gelagert wird.

Was bleibt also, außer sich den Aktienmarkt genauer anzuschauen?

Trotz ihrer vorteilhaften Eigenschaft, dass Aktien ihren Eigentümer an Unternehmensgewinnen beteiligen, sind einzelne Aktien riskant, da manche Unternehmen schlecht wirtschaften und im schlimmsten Fall auch Pleite gehen können. Die langfristig überdurchschnittliche Rendite des Aktienmarktes bezieht sich also auf ein diversifiziertes Portfolio, in dem viele verschiedene Titel enthalten sind. Geht ein einzelnes Unternehmen bankrott, wirkt sich dies auf ein Portfolio mit vielen Aktien nur sehr gering aus.

Zudem braucht die erforderliche Analyse einzelner Aktien viel Fachkenntnis und Zeit, in der Anleger andere Dinge tun könnten (Opportunitätskosten). Deshalb ist es für die meisten Menschen, die sich nicht im Detail mit der Börse befassen möchten oder können, einfacher, auf Fonds wie etwa die Marathon-Fonds des Vermögensverwalters der Hanseatischen Anleger Community zu setzen. Diese enthalten viele verschiedene, von Profis ausgewählte Qualitätsaktien, wodurch das Risiko gestreut wird. Zudem kümmert sich das Fondsmanagement darum, Krisenphasen mit Hilfe des bewährten Pfadfinder-Systems rechtzeitig zu erkennen und das Vermögen der Fondsanleger abzusichern. Mehr dazu in diesem Artikel.

Langfristig denken

Viele Anleger schätzen den notwendigen Zeithorizont falsch ein, wenn es darum geht, die Chancen und Risiken eines Investments richtig abzuwägen. Geld, das am Aktienmarkt investiert wird, sollte für mindestens fünf Jahre nicht benötigt werden. Denn grundsätzlich gilt: Je länger der Anlagehorizont, desto höher die Wahrscheinlichkeit für positive Renditen.

 Wird das Geld dann in fünf oder zehn Jahren immer noch nicht gebraucht, kann es weiterhin als Vermögen investiert bleiben und sich vermehren. Oder noch besser: Werden bis dahin weitere Ersparnisse angehäuft, können diese im Zeitablauf regelmäßig zusätzlich neu investiert werden.

Diese Strategie führt uns zu folgendem Zusammenhang: Je jünger man zu Beginn seiner „Anleger-Karriere“ ist, desto besser sind die Chancen relativ zu den Risiken am Aktienmarkt. Das bedeutet, dass Zeit neben den verfügbaren Geldbeträgen die zweitwichtigste Ressource beim Investieren ist. Genau aus diesem Grund sind Aktienanlagen auch eine gute Idee, um Geld für die eigenen Kinder oder Enkel zu investieren – statt es einfach nur klassisch zu „sparen“, was im Zeitablauf einen realen Kaufkraftverlust bedeutet.

Wer also langfristig für seine Altersvorsorge investiert und noch nicht kurz vor der Rente steht, wird mit Aktienfonds mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit eine attraktive Rendite erzielen. Wer dagegen nur für ein paar Monate oder ein bis zwei Jahre anlegen möchte und das Geld anschließend wieder braucht, geht damit durchaus das Risiko ein, ausgerechnet eine schlechte Börsenphase zu erwischen. 

Emotionale Entscheidungen vermeiden

Die größten Fehler an der Börse passieren, wenn Anleger sich von ihren Emotionen zu voreiligen Entscheidungen hinreißen lassen. Stattdessen sollte konsequent ein strategischer Plan verfolgt werden. Dazu gehört zum einen, schwierige Phasen durchzuhalten, statt die Flinte ins Korn zu werfen und zum ungünstigsten Zeitpunkt auszusteigen – und zum anderen, in guten Phasen nicht euphorisch zu werden und zu viel Risiko einzugehen. 

Dabei helfen Ihnen die Ansprechpartner der Hanseatischen Anleger Community sowie unsere Publikationen und Veranstaltungen. Wir ordnen die aktuelle Marktsituation für unsere Mitglieder ein und geben Ihnen Sicherheit bei der Anlageentscheidung. 

Dass die emotionale Ebene eine Vielzahl von Anlegern beeinflusst, zeigt sich schon daran, dass es verschiedene Börsenweisheiten zu diesem Thema gibt. Ein Klassiker ist zum Beispiel das bekannte Bonmot: „We invest for the long term, but worry every second“, oder zu Deutsch: „Wir investieren langfristig, aber machen uns jede Sekunde Sorgen“.

Wahrscheinlich ist die subjektive, emotionale Ebene sogar die größte Fehlerquelle an der Börse. Wer seine Emotionen im Griff hat, indem er einen kompetenten Anpsrechpartner an seiner Seite hat und unabhängig vom Bauchgefühl rationale Entscheidungen trifft, wird langfristig deutlich besser als die meisten anderen Anleger abschneiden. 

Langfristiger Anlageerfolg ist kein Glück

Durchdachte, langfristige Strategien, die konsequent durch dick und dünn durchgezogen werden, sind ein bewährtes Konzept zur Sicherung und Vermehrung von Vermögen an der Börse. Als Instrumente dafür sind verschiedene, professionell gemanagte Fonds verfügbar.

Extrem vereinfacht ausgedrückt sind die vier wichtigsten Komponenten für den langfristigen Vermögensaufbau mit Aktien folgende:

  • frühzeitig mit dem Investieren beginnen
  • einen möglichst hohen Anteil des Einkommens fortlaufend neu investieren
  • nach Möglichkeit „niemals“ verkaufen, also langfristig investiert bleiben
  • Einen kompetenten, vertrauensvollen Sparrings-Partner wie die Hanseatische Anleger Community an der Seite haben.

Aktive Investmentfonds

Strategisch vorgefertigte Anlagekonzepte

Die meisten Anleger, sowohl Amateure als auch vermeintliche Profis stehen vor der Herausforderung, dass die Bandbreite an Geldanlagemöglichkeiten scheinbar unendlich ist, sodass einzelne Akteure unmöglich alle Anlageformen überblicken und verstehen können.

Ein gutes Anlagekonzept zeichnet sich aber vor allem durch eines aus: Diversifikation, d.h. das Setzen auf verschiedene Pferde, anstatt nur auf eins. Je nach wirtschaftlichem Umfeld und politischer Situation sind mal die einen und mal die anderen Anlageformen im Zeitverlauf vorne. Wirklich treffend und über einen längeren Zeitraum konnte das noch nie jemand vorhersagen. 

Wer glaubt, es besser zu können, braucht keinen aktiven Fonds

Möchte man nun also dem Prinzip der Diversifikation folgen, um eine optimale Strategie zu basteln, müsste man jedoch alle Anlageformen am Markt verstehen und überwachen können, was, wie oben erwähnt, für eine einzelne Person einfach nicht möglich ist. Vielleicht haben Sie auch schon den Punkt erreicht, an dem Sie sich diesen Punkt eingestanden haben – vielleicht aber auch noch nicht. 

Wir möchten alle Anleger, egal wie viel Sie anlegen, dafür begeistern, in Aktien und aktiennahe Anlageformen zu investieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie ihre Anlagestrategie selbst schreiben oder einem vorgefertigten Anlagekonzept z.B. in Form eines aktiv verwalteten Investmentfonds folgen. 

Für die Anleger, die sich eingestanden haben, dass sie selbst nicht der nächste Warren Buffett sind bzw. Einfach nicht die Zeit, das Glück oder die Lust haben, sich den ganzen Tag mit der Auswahl der richtigen Anlagen zu beschäftigen, gibt es aktiv verwaltete Investmentfonds (auch aktive Fonds genannt). Für diejenigen unter Ihnen, die glauben, es besser zu können bzw. Die nötige Zeit zu haben und die Fachkenntnisse, sind aktive Fonds hingegen kein “Must-have”. Prüfen Sie in dem Fall aber, ob der eine oder andere Fonds ihr Portfolio nicht doch ergänzt oder bereichert. 

Wie funktionieren Aktive Investmentfonds?

Aktive Investmentfonds haben einen oder mehrere Fondsmanager, die im Rahmen einer bestimmten Fondsstrategie Anlageentscheidungen treffen. Jeder Anleger sollte die Strategie der Fonds, die in interessieren vorab genau prüfen, um keine Überraschungen zu erleben. Legt man sein Geld in einem Fonds an, möchte man schließlich nicht, dass der Fondsmanager damit Aktien oder gar völlig andere Wertpapierarten kauft, die man nicht unterstützen möchte. Die präzisen Informationen über die verfolgte Strategie können Anleger dem Dokument „Wesentliche Anlegerinformationen“ (WAI) oder auch „Key-Investor-Information-Document“ (KIID oder verkürzt KID) entnehmen. Dieses finden Sie auf allen gängigen Finanzplattformen oder können es beim Fonds-Emittenten anfordern.

 Wird ein neuer Fonds aufgelegt, können Investoren Geld in den Fonds investieren. Dazu benötigen sie ein Depot bei einer Depotbank. Sie können dort ihre Gelder in den Fonds investieren. Man sagt dazu auch “Fondsanteile kaufen” oder “sich an einem Fonds beteiligen”. Das investierte Geld fließt als Bargeld in “die Kasse” des Fonds ein.

Der Fondsmanager kauft von dieser Kasse im Rahmen seiner Strategie Aktien, Anleihen, Derivate und viele weitere Wertpapiere für die Anteilseigner des Fonds und lagert die gekauften Wertpapiere bei einer Fondslagestelle ein, die vergleichbar ist mit einem Depot. So entsteht ein großer Korb von Wertpapieren, der das Fondsvermögen bildet. Dazu können auch Bargeld oder Edelmetallinvestitionen zählen. Kurz gesagt: Kaufen Sie den Anteil an einem Fonds, geben Sie einem professionellen Fondsmanager ihr Geld und er legt dieses aktiv an. Er kann also strategische Anlageentscheidungen über das Geld treffen (in welche Anlageklassen lege ich an) aber auch taktische (wann lege ich an bzw. verkaufe ich bestimmte Wertpapiere wieder). Er kann darauf jedoch nie selbst zugreifen.

Fonds als Schutz vor Bankenpleiten und Enteignung  

Das Fondsvermögen stellt sogenanntes Sondervermögen dar, welches besonders geschützt ist, nicht nur vor dem Zugriff des Fondsmanagers, sondern auch Dritter. Wie oben erwähnt, halten Sie Ihre Anteile an dem Fonds über Ihre eigene Depotbank. Halten Sie Geld in einem Girokonto bei einer Bank und diese geht pleite, können Teile des Geldes tatsächlich mit in die Insolvenzmasse fallen. Das gilt nicht für Sondervermögen. Das heißt, wenn Ihre Bank pleitegeht, sind Ihre Fondsanteile nicht weg, sondern Sie können sie einfach auf ein anderes Depot übertragen lassen. Dieser Insolvenzschutz ist ein starkes Argument für das Investment in Fonds.

Worauf kommt es bei aktiven Fonds an?

Der entscheidende Faktor, ob ein Fonds eine gute Anlage ist oder nicht, ist das Fondsmanagement. Leistet es gute Arbeit, winkt Ihnen eine gute Rendite. Hat das Fondsmanagement selbst keine Ahnung vom Markt, wird es kaum besser sein, als Sie selbst. 

Wie kann ich erkennen, ob ein Fondsmanager gut ist oder schlecht? 

Das ist in der Tat eine komplexe Frage. Wir möchten Ihnen darauffolgende Antworten geben:

  1. Zu hohe Kosten können die Rendite fressen: Ein aktiver Fonds verursacht laufende Kosten und kostet einmalig bei der Anschaffung. Plus- und Premium-Mitglieder der Hanseatischen Anleger Community sparen 80% bzw. 100% der einmaligen Anschaffungskosten beim Kauf von Fonds. Für alle anderen Marktteilnehmer ist es üblich, dass sie beim Kauf einmalig zwischen 2% und 6% der investierten Summe als sogen. Agio (Ausgabeaufschlag) an die Depotbank zahlen müssen. Damit kann die gesamte Jahresrendite des ersten Jahres schon einmal als Kosten aufgefressen werden. Darüber hinaus verursacht ein aktiver Fonds laufende Kosten. Die sogenannte Total Expense Ratio (TER, also die Gesamtausgabenquote) gibt Aufschluss darüber, wie hoch diese Kosten sind. Diese können je nach Fondsanbieter bei 0,5% bis 3% pro Jahr liegen. Anleger sollten darauf achten, dass die Kostenquote nicht höher als die jährliche Rendite des Fonds ist, denn ansonsten bleibt von der Rendite nichts für Sie übrig. Der Fondsmanager verdient aber trotzdem.
  2. Nachvollziehbare Strategie statt Bauchgefühl: Prüfen Sie, ob der Fondsmanager in der Fonds-Strategie systematisch agiert, also nach festen Regeln und Systemen oder ob er auch sogenannte diskretionäre Anlageentscheidungen treffen darf (aus dem Bauch heraus). Die Wissenschat hat vielfach belegt, dass systemgeleitete Anlageentscheidungen vielfach bessere Anlageergebnisse liefern, als bauchgesteuerte, da das menschliche Gehirn ohne Hilfe, psychologischen Trugschlüssen (sogen. Biase) zum Opfer fällt – das gilt auch für die Gehirne von Fondsmanagern. 
  3. Nachvollziehbare Historie: Schauen Sie sich auf den einschlägigen Seiten wie z.B. comdirect.de oder fondsweb.com die Entwicklung des Fonds an und prüfen, wann dieser aufgelegt wurde. Ein Investment in einen vielversprechenden neuen Fonds ist immer ein Wagnis. Fondsmanager, die schon einige Krisen durchgemacht haben und nachweislich gut überstanden, zeugen von bewährter Kompetenz. 

Passive Investmentfonds (ETF’s)

Definition ETF: Die bekannten drei Buchstaben sind eine Abkürzung, die für Exchange Traded Fund steht, was sich übersetzen lässt mit “Börsengehandelter Fonds”. Das ist erklärungsbedürftig. Ein aktiver bzw. klassischer Investmentfonds wird nur einmal am Tag oder seltener gehandelt. Wenn man einen Anteil kauft, wird dieser also z.B. am nächsten Tag für einen gekauft zum jeweiligen Preis. Dasselbe gilt für den Verkauf. ETF’s sind jedoch wie eine Einzelaktie an der Börse handelbar, d.h. man kann sie im Rahmen der Öffnungszeiten der Börse jederzeit kaufen und verkaufen, in “Realtime”. Vom Beteiligungskonzept her funktionieren ETF’s jedoch wie ein Fonds, d.h. man erwirbt einen Anteil an einem “Korb von Wertpapieren”, an dem auch viele andere Markteilnehmer beteiligt sind. 

ETF’s haben üblicherweise zusätzlich zu ihrer besonderen Handelbarkeit die Eigenschaft, dass sie einen bestimmten Index replizieren. 

Auch das will erklärt werden: 

Der wohl bekannteste Index ist der DAX (Deutscher Aktien Index). Er beinhaltet die 30 größten deutschen Aktien, die bestimmte Standards erfüllen. Dieser wie auch viele andere Indices (z.B. Dow Jones Industrial Average, Nasdaq Composite oder Nikkei 225) stellen aber keine handelbaren Produkte dar, die man kaufen könnte. Sie sind eher ein zu Informationszwecken zusammengestellter Index, der wie ein Marktbarometer die Stimmung eines Aktien-Teilmarktes wiedergeben soll, wie der DAX für den deutschen Markt. 

Ein ETF auf den DAX verfolgt nun die Idee, den Index handelbar zu machen, indem in einen Fondsmantel alle 30 Aktien, die im DAX enthalten sind, gekauft werden. Es gibt jedoch keinen aktiven Manager, der Entscheidungen über die Wertpapierzusammenstellung trifft. Es werden einfach passiv die Indexbestandteile in den ET-Fonds gekauft. Wie bei einem aktiven Fonds handelt es sich bei diesem Aktienkorb an dem man sich beteiligt, um Sondervermögen. 

Die Vorteile von ETFs

Der Vorteil, der hierbei entsteht ist, dass der Anleger immer die öffentlich einsehbaren Listen über die Indexbestandteile einsehen kann, um genau nachzuvollziehen, woran er sich in Form des ETFs beteiligt. 

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass in ETFs weniger Kosten anfallen, da kein Manager bezahlt werden muss für seine Tätigkeit. Es wird nur eine kleine Managementgebühr genommen, dafür, dass der Fonds aufgelegt und die Wertpapiere darin dem Index angepasst bleiben. Die Kosten eines ETF liegen meist unter 1% pro Jahr, in vielen Fällen sogar bei nur ca. 0,25% pro Jahr. Dieser Kostenvorteil gegenüber aktiv verwalteten Fonds hat ETFs zu großer Beliebtheit bei Anlegern gebracht, sodass in dieser Anlageform mittlerweile Anlagevolumina in Billionen-Höhe liegen. 

Die Nachteile von ETFs

Da ETFs im Allgemeinen sehr beliebt sind und man fast von einem ETF-Hype sprechen kann, wird seltener über ihre Nachteile gesprochen. Wir möchten das aber offen tun: 

ETFs replizieren lediglich einen Index von Aktien eines bestimmten Teilmarktes wie z.B. Deutschland. Man kauft also ohne jegliche Vorselektion indirekt Beteiligungen an bestimmten Unternehmen. Würde man sich jedes einzelne Unternehmen im Index ansehen, so würde man sicherlich bei einem genauen Blick auf die einzelnen Bilanzen feststellen, dass die einzelnen Investments nicht sonderlich vorteilhaft sind. Das kann z.B. daran liegen, dass ein bestimmtes Unternehmen im Index verdächtig hohe Schulden hat, auffällig schleierhafte Formulierungen im Lagebericht wählt (man denke an Wirecard) oder eine stark sinkende Eigenkapitalquote seit mehreren Jahren. Würde man die Aktien einzeln beurteilen, wäre die Wahrscheinlichkeit also hoch, dass man diese negativ auffallenden Unternehmen lieber nicht kauft. Wenn man sich an einem ETF beteiligt, kauft man aber einfach ALLE Aktien im Index, ohne genauer hinzusehen. 

Ein aktiver Fondsmanager kann dagegen ganz genau filtern und jede einzelne Aktie auf ihre individuelle Qualität prüfen, sodass Sie mit einer viel höheren Wahrscheinlichkeit überwiegend “gute Aktien” kaufen, hinter deren Geschäftsmodell ein Profi wirklich steht und nicht einfach den “Marktdurchschnitt”. 

ETFs sind häufig nicht nachhaltig

Dasselbe Argument greift, wenn man die einzelnen Aktien nicht nach ihrer Qualität, sondern nach ihrer Nachhaltigkeitsbilanz beurteilt. Wenn man einen ETF-Anteil kauft, so beteiligt man sich auch an den schwarzen CO2-Schafen und solchen Unternehmen, die sich nicht allzu sehr um die Einhaltung von ethischen Standards halten. Das muss man vorab wissen. So gibt es inzwischen viele ETF-Anbieter, die sich Nachhaltigkeitssiegel einkaufen oder ihre Produkte mit einem ESG-Siegel versehen lassen (Ecological Social Governance, also ein Siegel, dass die Einhaltung von bestimmten Nachhaltigkeitskriterien prüft). 

Aktive Fondsmanager können natürlich deutlich besser, als indexreplizierende ETFs darauf achten, dass Nachhaltigkeitskriterien eingehalten werden, da die jede Aktie selbst auswählen können. Ein ETF auf den DAX ist nun mal daran gebunden, die DAX-Titel zu kaufen. 

ETFs beinhalten häufig nicht das was drauf steht

Was viele Anleger von ETFs häufig gar nicht bemerken ist, dass ihr DAX-ETF oder S&P500-ETF gar nicht wirklich aus den einzelnen Aktien des jeweiligen Index besteht. Es gibt nämlich neben den vorgenannt beschriebenen klassischen ETFs inzwischen auch immer mehr synthetische ETFs. Diese haben nicht das Ziel, einen bestimmten Index 1:1 zu replizieren, sondern lediglich seine Performance, also Wertentwicklung. Es gibt dafür die Kennzahl des Tracking Errors, die bestimmt, wie präzise die Abbildung der Performance dem ETF gelingt. Doch wie kommt es zu einem Tracking Error? 

Synthetische ETFs kaufen irgendeinen Korb an Aktien und anderen Wertpapieren und halten diesen quasi als Sicherheit vor. Diese Wertpapiere unterliegen einer bestimmten Wertentwicklung. Über fortgeschrittene Anlagegeschäfte (sogen. Derivate) tauschen die Anbieter synthetischer ETFs diesen Korb an Wertpapieren nun mit einem anderen Marktteilnehmer (in einem sogen. Swap), der ihnen im Austausch gegen die Gewinne des zugrundeliegenden Korbes, die Rendite des Index “auszahlt”, den der synthetische ETF replizieren soll. Dadurch stellt der synthetische ETF sicher, dass seine Anleger fast genau die Rendite des zu replizierenden Index erhalten (z.B. des DAX). 

Vermeiden Sie Risiken beim ETF-Investment

Das Risiko dabei besteht darin, dass eine der Vertragsparteien bspw. pleitegeht oder in Liquiditätsengpässe gerät. In diesem Fall sind Anleger eines DAX-ETF aufgeschmissen und haben plötzlich eine völlig andere Rendite (nicht selten eine sehr viel geringere), als die des gewünschten DAX. Also: Haben Sie einen klassischen oder einen synthetischen ETF gekauft?

Ein weiteres Risiko, welches ETFs für Anleger nicht ausschließen können, besteht in sehr großen “Drawdowns”, also Kursverlusten in Krisenphasen. Da ein ETF keinerlei Absichten hat, außer die Entwicklung eines Teilmarktes bzw. Index zu replizieren, fällt er ungehindert tief nach unten, wenn es in jenem Index mal düster wird wie z.B. 2008 in der Finanzkrise oder 2020 in der Corona-Krise. Kursverlsute von mehr als 40% sind dann nicht auszuschließen, teilweise an nur einem Tag. Anleger, die also auf die Wertstabilität ihres Depots angewiesen sind, sollten sehr vorsichtig sein beim Investment in ETFs. Man kann sehr viel Geld in sehr kurzer Zeit verlieren. 

Aktive Manager können dieses Drawdown-Risiko deutlich besser steuern, wenn sie die richtigen Systeme einsetzen, die frühzeitig bemerken, dass eine Krise ansteht. Ein guter Fondsmanager muss nicht jede Krise vorausahnen, aber er muss frühzeitig realisieren, dass eine “Krisenzeit” angebrochen ist. Er kann dann in seinem Fonds aktiv reagieren und Absicherungsmaßnahmen einleiten, z.B. über Futures oder andere Derivate oder über das Verkaufen von Wertpapieren (wovon wir im Normalfall abraten würden). Die Marathon-Fonds der HAC VermögensManagement AG, des Vermögensverwalters für unsere Mitglieder, sind sehr gut durch alle der Finanzkrisen der letzten Jahre gekommen und haben das Vermögen ihrer Anleger aktiv geschützt. Damit sind sie einigen ETF-Strategien weit voraus. (Link zu Invesiteren). 

Fazit: Augen auf beim Investment – achten Sie genau darauf was im Prospekt der Anbieter steht und achten Sie gerade bei ETFs wirklich darauf, was eigentlich drin ist. ETFs sind passive Anlageprodukte, sodass ihre Kostenquote deutlich unter 1% pro Jahr liegen sollte, denn Sie müssen eigentlich kaum Aktivitäten bezahlen. Gerade für langfristige Anleger können die richtigen ETFs in der richtigen Kombination durchaus eine attraktive Performance liefern und die geringeren Kosten gegenüber aktiven Fonds können sich entfalten. 

Anleihen

Definition Anleihen: Anleihen werden im Jargon auch Renten, Rentenpapiere oder Bonds genannt. Der Anleihemarkt, also die ganze Welt der Anleihen, ist auch unter den Begriffen “Geldmarkt” oder “Rentenmarkt” bekannt. 

Wo ist der Unterschied zwischen einer Aktie und einer Anleihe?

Aktien sind Beteiligungen an Unternehmen. Ein Aktionär besitzt einen Teil von Apple. Ihm stehen daher auch Gewinnanteile (Dividende) zu und ihm gehört faktisch ein Bruchteil aller Wertgegenstände des Unternehmens. Anleihen sind in Abgrenzung dazu Schuldverschreibungen, d.h. ein Anleihe-Eigentümer gibt dem Unternehmen sozusagen ein Darlehen und erhält dafür Zinszahlungen. Diese Zinszahlungen erhält man üblicherweise über eine festgeschriebene Laufzeit einmal im Jahr. Am Ende der Laufzeit erhält man dann das geliehene Geld zurück.

Bringen Anleihen Rendite? 

Der Ertrag den das Investment in Anleihen verspricht, besteht vor allem in den Zinszahlungen, die man in den Jahren zwischen Kauf und Rückzahlung erhält, denn Kauf (ich leihe dem Unternehmen 1.000 €) und Rückzahlung (ich erhalte 1.000€ in 10 Jahren zurück) sind ein Nullsummenspiel. Die Zinszahlungen, die man erhält, nennt man auch Kupon-Zahlungen oder kurz “Kupon”. Je nach Art der Anleihe bekommt man auch heutzutage noch Zinsen oder zahlt sogar Negativ-Zinsen oben drauf (wie bei langlaufenden deutschen Staatsanleihen). 

Was für Arten von Anleihen gibt es?

Man unterscheidet Anleihen auf verschiedenen Ebenen:

  1. Laufzeit: Eine Anleihe kann die Zinszahlungen ein Jahr lang erbringen und dann schon das Geld zurückzahlen oder auch 5, 10 oder 30 Jahre. Es gibt sogar unendliche Anleihen (“Perpetuals”) oder 99-jährige Anleihen. 
  2. Emittent: Anleihen sind wie gesagt Schuldverschreibungen, die von einem Emittenten ausgegeben werden und von einem Investor gekauft werden können. Der Investor leiht dem Emittenten Geld über eine bestimmte Laufzeit. Diese Emittenten können Unternehmen sein, dann heißt die Anleihe “Unternehmensanleihe” oder “Corporate Bond”. Es kann aber auch ein Staat sein, dann spricht von “Staatsanleihen” oder auch umgangssprachlich “Schatzbriefe” bzw. “Government Bonds” oder “Sovereign Bonds” / “Sovereigns” oder “Treasury Bills” / “T-Bills”. Die Begriffe meinen alle dasselbe. 
  3. Zins: Die Höhe des Zinses, den man i.d.R. jährlich erhält, unterscheidet sich stark. Bei Staatsanleihen sind die Zinsen inzwischen sogar ins Negative geraten, d.h. man gibt z.B. dem deutschen Staat für 10 Jahre sein Geld und bekommt am Ende der Laufzeit weniger wieder, als man eingezahlt hat und keine Zinsen. Es handelt sich dabei offensichtlich um ein sehr schlechtes Geschäft. Aber tatsächlich rentieren viele Staatsanleihen inzwischen unter 0%. Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen von Entwicklungsstaaten rentieren hingegen häufig über 5% oder mehr, weil das Risiko, dass diese Emittenten während der Laufzeit bankrottgehen, nicht gerade gering ist. Das Problem ist, wenn der Emittent pleite ist, bekommt man sein Geld auch nicht zurück, wie bei einem Kredit, bei dem der Schuldner insolvent geht. Dafür ist der angebotene Zins umso höher, um einen Anreiz zu liefern, dem Unternehmen dennoch Geld zu geben.

Welche Risiken gibt es bei Anleihen?

Anleihe-Investoren haben vor allem das Emittenten-Risiko, d.h. dass die Gegenpartei, also der Staat oder das Unternehmen während der Laufzeit pleitegeht. In diesem Fall bekommen die Besitzer der Schuldverschreibung/Anleihe ihr Geld nämlich nur anteilig oder gar nicht zurück. Anleihe-Eigentümer werden i.d.R. nachrangig aus der Insolvenzmasse befriedigt, d.h. insbesondere nach den Aktionären. 

Darüber hinaus ist das Risiko zu nennen, dass Anleihe-Eigentümern durch die Inflationsrate droht. Der Anleihemarkt wird wie gesagt auch “Geldmarkt” oder “Rentenmarkt” genannt, was daran liegt, dass die Zinszahlungen, die man erhält in Form von Geld ausgeschüttet werden. Geld unterliegt bekanntlich dem Risiko, dass es im Laufe der Zeit weniger wert ist, man also weniger davon kaufen kann (Inflation). Dieses Risiko wirkt sich voll auf die Zinszahlungen aus, die man aus seiner Anleiheinvestition erhält. 

 

ÜBER DEN AUTOR

Tobias Gabriel

Der studierte Betriebswirt (Master of Science, Universität Hamburg) ist von Beruf Vermögensverwalter und pflegt seit knapp 10 Jahren Kontakt zu Privatanlegern, um sie bei der Geldanlage zu betreuen. Der Anlageprofi engagiert sich in der Hanseatischen Anleger Community, um Privatanlegern das Investment in Aktien, ETF’s und Fonds verständlicher, günstiger und transparenter zu machen. Da er die Sprache von Privatanlegern kennt, ist sein Job als Chef-Redakteur des Mitglieder-Magazins „Marathon Investor“, komplexe, finanzielle Sachverhalte verständlich herunterzubrechen.