Aktuelle News · 17.02.2021

Ratgeber: Bitcoin-Rendite ohne Bitcoins – geht das?

Kryptowährungen sind eine sehr komplexe technische Angelegenheit, die die wenigsten aktuell so ganz verstehen. Ihre Handhabung ist ebenso kompliziert wie gefährlich. Vergisst man ein Passwort, kommt man an seine Krypto-Assets nie wieder heran. Wird man gehackt, ist das wertvolle Digitalgeld ebenfalls in Gefahr. Doch mit Aktien können Sie indirekt vom Krypto-Hype profitieren.

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Autor*in Tobias Gabriel

Wer systematisch nach vorteilhaften Aktien sucht, wird auf lange Sicht vorteilhafte Aktien in sein Portfolio einkaufen können. Geht man nach quantitativen Kriterien bei der Auswahl, ist es völlig unerheblich, ob die Vorteile der Aktien dadurch entstehen, dass die Firmen auf Wasserstoff, Bitcoins oder andere Hype-Themen spezialisiert sind. In Ihrem Portfolio kommt die jeweilige Rendite an.

So ist es eine spannende Möglichkeit vom „Krypto-Hype“ zu profitieren, indem man indirekte Investments in die Kryptowährungen tätigt – durch Aktien. So hat z.B. die Firma MicroStrategy Inc., ein Softwarehersteller aus den USA, einen extrem hohen Investmentbestand an Bitcoins in der Bilanz, weshalb sie kürzlich ihren Kurs vervielfachen konnte.

Als Aktionär der Firma schlägt man sich nicht selbst mit der Handhabung der digitalen Währungen herum, sondern profitiert passiv von den “Strahlungseffekten” eines indirekten Investments. Doch auch dies ist gefährlich, denn man kann natürlich nicht selbst kontrollieren was das Management mit der Anlage macht.

Der Krypto-Boom – Sollte ich 2021 Bitcoins kaufen?

Der Wert eines Gutes bestimmt sich danach, wie knapp es ist, also über die Abwägung zwischen Angebot und Nachfrage. Das Spiel zwischen Angebot und Nachfrage entkoppelt sich bei börsengehandelten Werten sehr schnell von rationalen Abwägungen. Vielmehr spielen die Marktakteure ein psychologisches Spiel. Rationale Fragen werden von den Käufern und Verkäufern in Hype- wie auch in Paniksituationen gar nicht mehr gestellt. Dieses emotionale und psychologische Spiel kann man natürlich mitspielen.

Doch es ist und bleibt dann Glückssache, ob man Erfolg oder Misserfolg hat. Jeder der sein investiertes Geld mehr als einer 50:50 Chance aussetzen will, muss sich mit rationalen Fragestellungen beschäftigen und benötigt einen langfristigen Anlagehorizont, denn nur die Zeit vermag die psychologischen Wirrungen der Börse zu glätten und fördert die Wahrheit über den Nutzen von Innovationen zu Tage.

Die Kurse entwickeln sich kurzfristig teilweise utopisch rasant in alle Richtungen. Bei Innovationen wie Kryptowährungen, die nur wenige im Detail verstehen und die noch dazu nicht einmal im Ansatz einen materiellen Gegenwert haben, ist es schwer rationale Anhaltspunkte zu finden, die einem Hinweise auf die langfristigen Erfolgschancen einer bestimmten Währung geben.

Wir unternehmen in diesem Artikel den Versuch, Ihnen anhand zweier wissenschaftlich mehrfach nachgewiesener Theorien, Anhaltspunkte dafür zu geben, ob Kryptowährungen an sich noch Kurssteigerungspotenzial besitzen oder ob sie gnadenlos überteuert und rein psychologisch gehandelt werden. Warum ist das erfolgsversprechend? Beide Theorien haben bisher unabhängig voneinander hervorragend den Verlauf von Kryptowährungen als Innovation und „Hype-Thema“ vorhergesagt und beschrieben. Beide Theorien liefern Prognosen darüber, wie Kryptowährungen sich weiterentwickeln, wenn diese sich weiterhin „typisch“ verhalten. Es gibt mehrere Gründe zur Annahme, dass dies der Fall sein könnte.

#1 Die Innovationstheorie

Die Diffusionstheorie des Kommunikationswissenschaftlers Everett Rogers erklärt die Entwicklung von Innovationen und besonders deren Verbreitung auf dem Markt. Eine Diffusion, also ein langsam zunehmender Verbreitungsprozess, kommt zustande, da Innovationen wie neue Dienstleistungen oder Produkte meist zeitlich verzögert und unterschiedlich schnell von verschiedenen Anwendergruppen übernommen werden. Dies kann in der Abbildung oben visuell nachvollzogen werden und wird nachfolgend beschrieben.

#2 Die Theorie des „Hype-Zyklus“

Der vom US-amerikanischen Marktforschungsinstitut Gartner geprägte Hype-Zyklus beschreibt den Verlauf der psychologischen Erwartungen im Zusammenhang mit neuen Technologien. Die Entdecker haben herausgefunden, dass es stereotype Muster im Verlauf von Hypes gibt, die davon unabhängig sind, wer oder was „gehypet“ wird. Der daraus abgeleitete Hype-Zyklus verläuft in fünf Phasen, genau wie die Innovationskurve.

Wer kaufte als erster Kryptowährungen?

Innovatoren

Diese Personengruppe gilt als sehr risikofreudig und innovativ und nutzt gemäß Innovationstheorie als erste die neue Technologie oder das neue Produkt. Der Bitcoin wurde bspw. im Jahr 2007 von Satoshi Nakamoto (ein Pseudonym für eine oder mehrere Personen) erfunden und am 03. Januar 2009 veröffentlicht. Die ersten Nutzer dieser völlig neuen Anwendung der Blockchain-Technologie waren extrem innovativ, risikofreudig und vermutlich „Nerds“, die sich für die Kryptografie und die Technik des Systems begeistern konnten. Der Bitcoin-Kurs stieg zwischen 2009 und 2017 nie über 2.000 USD, weil Nachfrage und Angebot des Bitcoins als Kryptowährung sich nur einem mit heute verglichen, sehr kleinen Kreis ausgeglichen haben. Doch im März 2017 begann eine Rallye, die im Modell der Innovationskurve nicht untypisch war. Eine neue Nutzergruppe erkannte die Innovation für sich.

Die frühen Trittbrettfahrer

Der Bitcoin-Kurs stieg vom 01. März 2017 von ca. 1.200 USD auf knapp 20.000 USD am 16. Dezember 2017. Wer also Anfang des Jahres 10.000 USD in Bitcoin investiert hätte, hatte kurz vor Weihnachten ein beachtliches Plus von 157.000 USD gemacht. Dieser „Hype“ wurde nicht nur von den Innovatoren getragen, sondern kam zustande durch die von Everett Rogers genannten „frühen Trittbrettfahrer (engl. Early Adopters)“. Das sind Menschen, die von einer Innovation hören und aufgrund einer generell risikofreudigen Einstellung daran teilhaben wollen. Sie neigen sicherlich dazu, die Vorteile über- und die Nachteile unterzugewichten. Sie sind eben Optimisten und euphorisch.

Der Prozess der Adaption des Bitcoins bei einer solchen Personengruppe begann vermutlich schon in den Jahren 2014 und 2015, wirkte sich allerdings erst in einem erkennbaren Hype im Jahr 2017 so richtig aus.

Kryptowährungen werden zum „Hype-Thema“

Wir befinden uns in der ersten Phase des Hypes, womit wir die beiden Theorien zusammenführen, die uns helfen sollen, die Aussichten von Kryptowährungen abzuschätzen. Wir beobachteten in der Phase vor 2017 den in der Theorie des Hype-Zyklus bezeichneten „technologischen Auslöser“. Er ist im Modell der Durchbruch, Projektbeginn oder ein sonstiges Ereignis, welches auf beachtliches Interesse eines Publikums stößt. Das Aufsteigen von Trittbrettfahrern wie es die Innovationstheorie vorhersagt ist in der Hype-Theorie ebenfalls inhärent. Genau dies geschah in den Jahren 2014 bis 2017, nachdem zuvor nur „Nerds“ vom Bitcoin wussten. Es ist lt. dem Modell des Hype-Zyklus typisch für Hypes, dass sie in dieser Phase „durch die Decke gehen“, also asymptotisch ansteigen.

Im Hype-Zyklus-Modell spricht man bei dem was 2017 und Anfang 2018 folgte von Phase 2, die typisch für Hypes ist: dem Gipfel der überzogenen Erwartungen. Hier überstürzen sich nach dem Modell typischerweise die Berichte und erzeugen übertriebenen Enthusiasmus und unrealistische Erwartungen. Es mag erfolgreiche Anwendungen der neuen Technologie geben, aber die meisten kämpfen mit Kinderkrankheiten. Das waren beim Bitcoin z.B. die Berichte über seine schlechte Energiebilanz.

Das Tal der Enttäuschungen

Typischerweise folgen Hypes laut dem Marktforschungsinstitut Gartner jedoch dem Muster, dass sie nach dem absoluten Gipfel der ersten, überzogenen Erwartungen ein Tal der Enttäuschung erreichen.

Die Medienberichte über die „neue Technologie Bitcoin“ und die Zukunftsaussichten der zugrundeliegenden Blockchain-Technologie überschlugen sich zwar ob der gigantischen Kursentwicklung. Doch die Blase platzte. Fast so schnell wie die Kurse zuvor gestiegen waren, erreichten sie Ende Januar 2019 ein Niveau von ca. 3.000 USD, das über dem Ausgangsniveau von ca. 1.000 USD lag, aber letztlich weit weg war von den Höchstständen nur ein Jahr zuvor. Dies ist ganz typisch für Hype-Verläufe. Nicht alle Erwartungen können erfüllt werden, Kinderkrankheiten kommen zum Vorschein, Marktteilnehmer nutzen die Technologie aus und im Falle vom Bitcoin kamen noch Börseneffekte hinzu wie z.B. Gewinnmitnahmen der frühen Trittbrettfahrer, die ihr Vermögen sichern wollten. Das Tal der Enttäuschungen verhindert nun aufgrund negativer Berichterstattungen, dass eine breite Masse gemäßigter Innovatoren das neue Produkt akzeptiert.

Der Pfad der Erleuchtung

An dieser Stelle sind wir schon fast in der Gegenwart angelangt. Die Phase der „frühen Trittbrettfahrer“ war beim Bitcoin, aber auch bei Kryptowährungen im Allgemeinen im Laufe des Jahres 2020 vorbei. Die nächste Phase des Hypes hatte begonnen: Der Pfad der Erleuchtung. In dieser Phase kristallisieren sich nach der Konsolidierung mehr und mehr rationale Vorteile heraus, sodass eine neue Zielgruppe aufmerksam wird, die hervorragend von der Innovationstheorie beschrieben wird. Nach Rogers ist dies die „frühe Mehrheit“. Sie ist dadurch geprägt, dass nun nicht nur Trittbrettfahrer und Nerds die Innovation nutzen, sondern eine Mehrheit von Menschen erreicht wird.

Obwohl die Berichterstattung über die Technologie aufgrund der vorangegangenen Enttäuschung in der Regel stark abnimmt, führen in dieser neuen Phase realistische Einschätzungen über den Hype auf „den Pfad der Erleuchtung“. Es entsteht ein Verständnis für die Vorteile, die praktische Umsetzung, aber auch für die Grenzen der neuen Technologie. Die Rationalität kehrt ein und erreicht eine große Zahl von potenziellen Nutzern und überzeugt sie davon, dass der „Hype“ doch in Teilen gerechtfertigt war.

Dies war spätestens Anfang 2020 der Fall, sodass der Kurs des Bitcoins anfing zu steigen. Immer mehr Nutzer kauften Bitcoins und lernten die Methoden kennen, um Kryptowährungen zu erwerben, zu verwalten und im Alltag zu nutzen. Das Handelsblatt berichtete Ende Dezember 2020 bspw. darüber, dass immer mehr Großinvestoren den Bitcoin kaufen. Zudem wurde der Pfad der Erleuchtung dadurch unterstützt, dass Zahlanbieter wie PayPal ankündigten, Bitcoin und andere „Kryptos“ (kurz für Kryptowährungen) als Zahlmittel zu akzeptieren. Man muss sich die Tragweite dieser Ankündigung klar machen: Eine dezentral, nicht von Staaten gemachte, digitale Währung darf bald gegen „echtes Geld“ getauscht werden. Sie können damit Ihr Auto bezahlen! Der so ausgelöste Nachfrage-Boom sorgte dafür, dass der Bitcoin im Dezember 2020 nicht nur sein altes Allzeithoch von 20.000 USD durchbrach, sondern sogar auf über 40.000 USD am 09. Januar 2021 stieg.

Damit sind wir in der Gegenwart angelangt. Dies ist der aktuelle Punkt, an dem sich der „Kryptomarkt“ befindet. Daher lohnt sich ein Blick in die Zukunft. Beide Theorien, sowohl die Innovationskurve von Rogers, als auch die des Hype-Zyklus von Gartner konnten bislang die Entwicklung nahezu perfekt und stereotypisch beschreiben und vorhersagen. Was verraten sie uns also über die nahe Zukunft der Technologien? Laut Hype-Zyklus haben typischerweise erst ca. 5-10% des potenziellen Publikums der Technologie sie zu diesem Zeitpunkt (Tal der Enttäuschung) angenommen.

Entwickelt sich der Bitcoin noch weiter nach oben?

Plateau der Produktivität

Eine Technologie-Hype erreicht nach dem Pfad der Erleuchtung ein Plateau der Produktivität, wenn die Vorteile allgemein anerkannt und akzeptiert werden. Die Technologie wird immer solider und entwickelt sich in zweiter oder dritter Generation weiter. Im Falle des Bitcoins lässt sich diese theoretische Vorhersage sehr gut wiederfinden. Eine sehr interessante Weiterentwicklung ist, dass immer mehr Berührungspunkte mit der Alltags-Realität von einfachen, nicht technikaffinen Leuten entstehen, wie z.B. die Ankündigung, dass jeder bald über PayPal mit Bitcoin bezahlen kann.

Die Endhöhe des Plateaus hängt in der Theorie des Hype-Zyklus stark davon ab, ob die Technologie in Massen- oder Nischenmärkten angenommen wird. Man kann sagen, dass Kryptowährungen weit mehr als ein Nischenthema sind. Sie betreffen uns alle in den kommenden Jahren und sind ein globales und relevantes Massenphänomen. Allein PayPal hat knapp 30 Millionen angeschlossene Verkaufsstellen, also Unternehmen, die zukünftig Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptieren. Auch Facebook will die neue Kryptowährung „Diem“ (vormals als „Libra“ geplant aber dann konzeptionell umgestaltet) an den Markt bringen. Hinweis: Das soziale Netzwerk hat über 2 Milliarden Nutzer!

Die Hype-Theorie sagt voraus: Die Produktivität und Diffusion der sich langsam festigenden Technologie zwingt Unternehmen nun, sich zu ändern und neue Geschäftsmodelle zu schaffen. Denken Sie dafür bspw. an das Internet: Während einige Unternehmen ihr Potenzial erfolgreich ausschöpften, verpassten andere die Gelegenheit. Es führte zum Niedergang von stationären Geschäften und traditionellen Medienunternehmen, brachte jedoch die größten Technologieunternehmen hervor, die wir heute kennen (Google, Amazon, Facebook und Co). Dies könnte auch die Blockchain-Technologie bewirken, nicht nur, aber auch in Form von Kryptowährungen.

Das prognostizieren die Theorien

Einhergehend mit diesem Plateau der Produktivität beschreibt die Innovationstheorie von Rogers die Personengruppe, die nun beginnt, die ehemals neue Technologie zu nutzen: Es ist die sogenannte späte Mehrheit, eine Gruppe von konservativen Nutzern, die ähnlich groß ist wie die frühen Trittbrettfahrer. Das werden in den Jahren 2021 bis 2025 zunehmend institutionelle Investoren, wohlhabende Privatkunden und kapitalkräftige, gemäßigt innovative Personen über 40 sein. Danach kommt nur noch eine kleine Gruppe an Nutzern hinzu, die sogenannten Nachzügler, also erzkonservative, sehr sicherheitsbedürftige Personen.

Derzeit befinden wir uns nach der Innovationstheorie noch in der Phase der frühen Mehrheit und gem. Hype-Zyklus am Ende des Pfades der Erleuchtung. Alle Nutzer aus den Gruppen der späten Mehrheit und der Nachzügler werden erst noch auf den Markt zugreifen und die Nachfrage nach Kryptowährungen nach oben treiben. Kursschätzungen von 100.000 USD für einen Bitcoin werden daher nicht selten als konservativ bezeichnet (merke: der Kurs am 12. Januar lag bei ca. 30.000 USD / BTC).

Fraglich bleibt jedoch, welche Kryptowährungen sich nachhaltig durchsetzen werden, wenn es darum geht, sie im Alltag zu verwenden, nicht nur als Bargeldersatz, sondern als dezentrales Eigentumssystem in Form von sogenannten Tokens. Der Bitcoin muss dabei nicht als Sieger hervorgehen. Daher blicken wir zum Schluss noch auf ganz praktische Anwendungsfälle, in denen die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen unseren Alltag in Zukunft bereichern könnten, um uns klar zu machen, dass wir uns dem nicht entziehen können.

Vier Beispiele für neue Blockchain-Geschäftsmodelle, -Produkte und -Dienstleistungen

Neue „DeFi“-Unternehmen kommen hervor

Ein Bereich, in dem Blockchain auf dem Vormarsch ist, ist die „dezentrale Finanzierung“ (kurz: „DeFi“). Das Speichern, Ausleihen, Handeln und Absichern von Kryptowährungen in der Blockkette sind derzeit die wichtigsten Anwendungsfälle für die Blockchain-Systematik. Schauen wir uns die Zahlungs- und Kryptowährungs-Plattform Cyrpto.com an: Sie ermöglicht es Benutzern, in Kryptowährungen zu investieren, sie zu handeln und mit einer Visa-Karte auszugeben. Kryptowährungen werden zum Zeitpunkt der Zahlung an einer Verkaufsstelle in Fiat-Währung umgerechnet. Hier besteht der Hauptunterschied zu einer traditionellen Bank darin, dass die Vermögenswerte immer im Besitz des Benutzers sind. Es gibt keine Einzahlung (Darlehen an die Bank) von Geld. Der einzige Weg, auf das Geld zuzugreifen, ist ein privater Schlüssel, der jederzeit ausschließlich dem Benutzer zur Verfügung steht.

Bankenkritiker aufgepasst! In einer Welt, in der das Vertrauen in Banken gering ist, insbesondere in Ländern, in denen Banken mehrmals bankrottgegangen sind, wie beispielsweise in Argentinien, ist eine digitale Geldbörse ohne Depot, die Ihnen jederzeit 100%-igen Zugang zu Ihrem Geld gewährt, ein überzeugendes Verkaufsargument, oder nicht?

Blockchain ermöglicht schnellere Zahlungen in der Musik-Streaming-Branche

Die Fintechs (kurz für Finanz-Technologie-Unternehmen) Paperchain und Centrifuge haben sich mithilfe von Blockchain zusammengetan, um eine Lösung für eine schnellere und kostengünstigere Vorauszahlungsmethode bereitzustellen: Normalerweise dauert es drei bis sechs Monate, bis die Einnahmen aus einem Spotify-Stream (so wird es genannt, wenn man sich ein Lied auf dem Musik-Dienst Spotify anhört) einen Künstler erreichen. Für kleine, unabhängige Künstler könnte dies zu ernsthaften Liquiditätsproblemen führen. Um dieses Problem zu lösen, analysiert Paperchain die Streaming-Daten der Künstler und schätzt die in sechs Monaten zu zahlenden Einnahmen. Centrifuge bietet die Infrastruktur, um diese Forderungen in eine Vorauszahlung umzuwandeln und so reale Vermögenswerte auf einer Blockchain zu sichern. Die aus den Forderungen generierten „Tokens“ (digitale Verbriefungen) können bspw. als Sicherheit für eine Kreditaufnahme verwendet werden. Derzeit erfolgt diese Zahlung in Form des Stablecoin „DAI“. „Stablecoin“ bedeutet: Ein DAI entspricht immer ungefähr einem US-Dollar, kann also ohne das Volatilitätsrisiko von Währungen wie Bitcoin gehandelt werden. Die Liquidität für die oben genannte Vorauszahlung in DAI wird von Anlegern bereitgestellt, die durch Zinserträge Anreize erhalten.

Digitalisierung und Handel von realen Vermögenswerten im Immobiliensektor

Oft könnte ein Produkt oder eine Dienstleistung ohne Blockchain nicht existieren, wie beispielsweise das Angebot des Start-Up „RealT“. Damit können Eigentümer ihre Immobilien „tokenisieren“, also in Bruchteilen an mehrere Käufer verkaufen. Ein Bruchteil heißt dann Token und gehört genau einer Person. Wer das ist, steht geschrieben auf einer unveränderlichen, kryptographisch geschützten Blockchain – einem Ersatz zu einem Grundbuch. Auf der Käuferseite ermöglicht es jedem, mit nur 50 Dollar in den Immobilienmarkt zu investieren. Die Miete einer solchen Immobilie wird je nach Immobilienanteil auf alle Investoren aufgeteilt, und der Zinssatz für eine bestimmte Immobilie ist für alle Investoren gleich, unabhängig davon, ob es sich um eine Investition in Höhe von 500.000 USD oder 50 USD handelt. Es wird interessant sein zu sehen, ob diese Form eines viel liquideren Immobilienmarktes erfolgreich sein wird.

Höhere Effizienz im Supply-Chain-Management und in der Logistik

Blockchain wird zunehmend in der Logistikbranche eingesetzt. Zu den wichtigsten Vorteilen gehört das erhöhte Vertrauen in das System dank größerer Transparenz, Rückverfolgbarkeit von Waren und Kostensenkung durch Ersetzung der manuellen und papierbasierten Verwaltung. Ein von IBM und Maersk gegründetes Unternehmen, das logistische Prozesse über Blockchain abbildet zählt schon die weltweit größten Logistikunternehmen zu seinen Nutzern wie z.B. CMA CGM, MSC, ONE und Hapag-Lloyd. Durch die Befreiung von alten Datensystemen, die manuelle Bearbeitung von Dokumenten und anderen Problemen zentral verwalteter Datensysteme erwartet man hier Effizienzgewinne von 15%, die sich bis 2020 auf 1,8 Billionen US-Dollar und bis 2050 auf 5,2 Billionen US-Dollar pro Jahr belaufen sollen.

Wie investiere ich in Bitcoin und Co?

Eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur Massentauglichkeit bei Kryptowährungen ist, dass die Handhabung immer noch recht mühsam ist. Es kann Tage dauern von der Entscheidung, in Bitcoin zu investieren, bis zur tatsächlichen Ausführung. Für Menschen, die nicht sehr technikaffin sind, ist es sogar fast ausgeschlossen. Die Natur der Blockchain besteht darin, Assets zu digitalisieren und Prozesse so weit wie möglich zu automatisieren. Je nahtloser und reibungsloser der Verkaufsprozess wird, desto besser.

Es ist also nur eine Frage der Zeit bis sich intuitive und für jedermann bedienbare Systeme durchsetzen. PayPal, Facebook und andere große Unternehmen sind bereits jetzt sehr bemüht, ihren Service im Krypto-Bereich massentauglich zu machen und haben dazu jeden Anreiz. Die „Börse Stuttgart Digital Exchange“ (BSDEX) bietet bereits jetzt ein sehr einfaches System an, um ein eigenes Krypto-Depot aufzubauen. Aber beschäftigen Sie sich vor dem Kauf unbedingt mit steuerlichen Fragestellungen und seien Sie sich bewusst, dass Kryptowährungen erheblichen Risiken unterliegen. Bei allen positiven Aussichten ist selbst ein Totalverlust bei der Anlage in Bitcoins und Co nicht ausgeschlossen.

WELCHE RISIKEN MUSS ICH BEACHTEN?

Ahnungslosigkeit:

Kryptowährungen sind eine sehr komplexe Art von Software, die aus Code besteht. Im Falle von Bitcoin hat diesen jemand namens Satoshi Nakamoto geschrieben, von dem niemand weiß, wer er/sie eigentlich ist. Welche Motive hat diese Person dabei? Jeder der Bitcoins handelt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er 1. nicht weiß, was er eigentlich genau tut und 2. unter Umständen Zwecke von Nakamoto unterstützt, über die er oder sie nichts weiß.

Code-Fehler:

Mit dem Code einer Kryptowährung geht ein weiteres Problem einher. Wie bei jeder Software, die auf Code basiert und jedem Organismus, der auf DNA basiert ist, kann es geschehen, dass im Quellcode Fehler zu Tage treten. So könnte es auch beim Bitcoin oder anderen Kryptowährungen sein, dass irgendeine Art Fehler im Quellcode dieses noch so kostbare Asset plötzlich, mit einem Fingerschnipsen, wertlos werden lässt.

Hacker-Angriffe:

Kryptowährungen kann man nur besitzen, wenn man ihren Code auf einem „Ledger“ speichert, einer Art USB-Stick. Doch wer diese neue Art von Besitz schon abstrakt findet, sollte vorsichtig sein: Kauft man Kryptowährungen über eine digitale Börse, besitzt man diese nicht wirklich. Stattdessen schaltet sich eine zentrale Stelle dazwischen, die einem sagt, dass man ihren Gegenwert besitze. Doch hier ist genau das Problem! Hacker können diese zentralen stellen hacken und in Besitz Ihrer Anlagen kommen.

Schwankungen:

Tagesschwankungen von +/- 10% sind ganz normal bei Kryptowährungen. Es kommt zudem nicht selten vor, dass einzelne Währungen im Handumdrehen 70% oder 90% ihres Wertes verlieren, aufgrund einer Nachricht in den Medien oder auch durch „Robin-Hood-Trader“.

Regulierung:

Die Politik hat die Macht, durch Gesetze und Regulierung im Krypto-Bereich viel Wert zu vernichten. Es kann sehr gut sein, dass dies sogar positiv und schützend auf uns wirkt, doch wer aktuell in Krypto-Assets investiert, könnte davon zunächst negativ betroffen sein.