Aktuelle News · 10.09.2021

Ratgeber: Palladium – Was sollten Anleger beachten?

Hält der Palladium-Rausch an? Chancen & Risiken auf einen Blick. Anlage-Möglichkeiten und Steuerfragen. Erfahren Sie hier mehr!

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Autor*in Tobias Gabriel

Palladium im Rausch:
Was sollten Anleger beachten?

Palladium ist aktuell das teuerste der vier Edelmetalle. Es hat seinen Wert in 5 Jahren verdreifacht und Gold (+37%), Silber (+34%) sowie Platin  (+0,3%) weit hinter sich gelassen. Doch der rasante Wertanstieg könnte bald vorbei sein. Lohnt es sich noch, in Palladium zu investieren?

Das Wichtigste in Kürze:
Anlage in Palladium

  • Palladium ist aktuell das teuerste der vier Edelmetalle, obwohl es weniger selten ist als Gold oder Silber.
  • Es kommt vor allem in Benzinmotoren als Katalysator-Material zum Einsatz.
  • Beim Handel von Palladium fällt Mehrwertsteuer an. Sie können diese durch ein Zollfreilager umgehen.
  • Gewinne aus physischen Investments müssen mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden, es sei denn zwischen Kauf und Verkauf liegen mehr als 12 Monate.
  • Gewinne aus Wertpapier-Investments wie ETC’s oder Zertifikaten auf Palladium unterliegen der Kapitalertragsteuer.

Was sind die Gründe für den Palladium-Boom?

Der Palladium-Rausch geht mittlerweile so weit, dass laut ADAC reihenweise Katalysatoren aus Fahrzeugen gestohlen werden. Der Grund: Palladium hat in seiner Wertentwicklung Platin (die einstige Nr.3 der Edelmetalle) überholt. Im Juli 2021 notierte Platin bei rund 1.100 US-Dollar und Palladium mehr als doppelt so hoch bei 2.700 US-Dollar. Das sind die Gründe:

Einzigartiger Verwendungszweck befeuert Nachfrage

Verwendet wird Palladium vorwiegend in der Automobil- und Elektronikindustrie. Derzeit wird es überwiegend in Katalysatoren von Benzinmotoren eingesetzt, um Abgase zu reinigen. 85% der Palladium-Nachfrage stammen aus der Automobilbranche. Da in Europa mehr Diesel-Fahrzeuge fahren als in China und den USA, ist es hierzulande etwas weniger gefragt. In Dieselmotoren wird aus technischen Gründen das Schwestermetall Platin verwendet, weshalb dieses im Verlauf der letzten Jahre erheblich an Wert einbüßte. Zumal Diesel-Motoren zunehmend in der Kritik stehen.

Geringere Nachfrage sorgt ebenfalls für Kursanstieg

Neben der Nachfrage steuert auch das Angebot den Preis eines Edelmetalls. Dieses unterschritt in den vergangenen 10 Jahren stets die Nachfrage. Zuletzt im Jahr 2020, weil eine russische Mine mit Wasser volllief und dadurch ein signifikanter Anbieter auf dem Markt nicht liefern konnte.

Welche Zukunftschancen hat Palladium?

Kurzfristig ist entscheidend, ob sich in der Industrie ein Verfahren etabliert, das den Platineinsatz auch in Benzinmotoren ermöglicht. Das würde den Wert von Palladium sinken lassen.

Langfristig sind Verbrennungsmotoren jedoch ein Auslaufmodell. Die Zukunft des Palladiumpreises hängt davon ab, ob es in Zukunftstechnologien eine wichtige Rolle spielt. Als chemischer Katalysator wird Palladium in Brennstoffzellen als Elektrodenmaterial verwendet und dient im zukünftigen Wasserstoffauto als Speichermaterial für Wasserstoff. Die Zukunftschancen der Wasserstoffindustrie sind daher mit denen von Palladium verknüpft.

Bei der zweiten großen Hoffnung in der Zukunft der Mobilität, nämlich den E-Autos, spielt Palladium hingegen keine Rolle. Wer langfristig anlegt, sollte also vorsichtig sein, denn nicht wenige prognostizieren E-Autos größere Chancen als Wasserstoffautos.

In Palladium investieren:
Möglichkeiten und Kosten

Wie bei den anderen Edelmetallen auch gibt es vor allem zwei Möglichkeiten in Palladium zu investieren:

  • Physisch: vor allem Barren und Münzen  
  • Wertpapiere: vor allem Zertifikate oder ETCs („Exchange Traded Commodities“)

Bei den Kosten sind vor allem die Steuern zu beachten:

  • Mehrwertsteuer beim Kauf
  • Steuern auf Gewinne

Gehandelt wird Palladium an der New York Mercantile Exchange (Abteilung COMEX) und am London Buillon Market.

Mehrwertsteuer beim Palladium-Kauf

Palladium hat einen Nachteil gegenüber anderen Edelmetallen: Physisches Gold als klassischer Wertspeicher ist von der Mehrwertsteuer befreit. Auch bei Silber gibt es unter bestimmten Voraussetzungen Vorteile bezogen auf die Mehrwertsteuer. Die Kostenersparnis macht einen großen Unterschied aus. Palladium notiert aktuell bei rund 2.700 US-Dollar pro Feinunze, Gold bei 1.800.

Mit Mehrwertsteuer kostet eine Feinunze Palladium bereits über 3.200 US-Dollar, während Gold in Deutschland seit 1993 von dieser Steuer befreit ist. Aus Anlegersicht muss dieser Nachteil im Einkauf durch Kurssteigerungen erst einmalwettgemacht werden, bevor sich ein Verkauf lohnt.

Mehrwertsteuer umgehen über Zollfreilager

Wer die Mehrwertsteuer beim Kauf von Palladium umgehen möchte, findet in sogenannten Zollfreilagern eine Möglichkeit. Diese lohnen sich aber erst ab größeren Summen und sind kostspielig.

Wie funktioniert ein Zollfreilager? Zolllager für Edelmetalle befinden sich in Gebieten mit anderen Steuergesetzen als Deutschland, also häufig Nicht-EU Staaten wie die Schweiz, Liechtenstein oder Luxemburg. Es gibt auch Zollfreilager in Deutschland. Sie sind rechtlich als „außerhalb des Wirtschaftsgebietes der Bundesrepublik“ abgegrenzt.

Wer Zollfreilager in Erwägung zieht, findet darin weitere Vorteile. So fällt die häusliche Lagerung weg, in den Lagern gelten hohe Sicherheitsstandards und das wertvolle Anlagegut ist gut versichert. Wer die Variante mit dem Zollfreilager wählt, kauft Palladium direkt über den Lageranbieter, denn er bekommt das Metall nicht ausgehändigt. Es würde sonst sofort Steuer anfallen. Stattdessen erhält man einen Nachweis die zollfreie Lagerung. Später wird auch der Verkauf direkt diesem Zollfreilager erfolgen, denn sonst wäre der ganze Aufwand umsonst gewesen. Man lässt anschließend den Erlös auszahlen. So hat man über den gesamten Haltezyklus nie etwas von dem schönen Edelmetall gesehen, aber profitiert von der Umsatzsteuerfreiheit.

Steuer auf Veräußerungsgewinne

Die zweite Steuerquelle beim Handel mit Palladium ist die Steuer auf die Gewinne. Sie ist mit der anderer Sachgüter zu vergleichen wie Antiquitäten, Kryptowährungen oder Schmuck. Es greift der § 23 Absatz 1 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes „Private Veräußerungsgeschäfte“):

  • Wird physisches Palladium mindestens ein Jahr ab dem Kauf gehalten, so fällt keine Steuer an. Auch Verluste sind nicht mehr verrechenbar. Von dieser Steuerfreiheit sind ausschließlich Barren und Münzen betroffen (physisches Palladium).
  • Erträge aus Zertifikaten oder ETCs („Exchange Traded Commodities“) sind immer sofort steuerpflichtig. Das gilt für börsengehandelte Palladium-ETC’s, aber z.B. auch für XETRA-Gold, das als Zertifikat anzusehen ist. Diese unterliegen wie andere Wertpapiere der Kapitalertragsteuer mit pauschal 25%. Insofern bringt die physische Edelmetall-Anlage steuerliche Vorteile im Vergleich zum indirekten Investment, falls die Haltedauer von einem Jahr eingehalten wird.

Was passiert beim Palladium-Verkauf VOR Ablauf der Spekulationsfrist?

Verkaufen Sie physisches Palladium innerhalb eines Jahres nach dem Kauf, gilt wie für alle „privaten Veräußerungsgewinne“ zusammen eine Freigrenze von 600 Euro. Haben Sie außer den Gewinnen aus dem Palladiumverkauf keine weiteren erzielt, sind diese bis zu einer Höhe von 600 Euro steuerfrei. Wird dieser Freibetrag überschritten, muss allerdings der komplette Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden.

Achtung: Auch die Gewinne aus Kryptowährungen, Oldtimern oder anderen Wertgegenständen, die nicht zum täglichen Gebrauch bestimmt sind, wird auf die Freigrenze angerechnet. Nicht jeder Wertgegenstand hat eine eigene Freigrenze. Bei kurzfristigen Spekulationen mit Palladium können Wertpapiere sinnvoller sein als physisches Edelmetall.

Hintergrund:
Besondere chemische und physikalische Eigenschaften

Palladium ist ein silbrig glänzendes Metall, das zu den vier Edelmetallen zählt. Es ist etwas härter als Platin, lässt sich aber sehr gut schmieden und wie Gold zu

Folien auswalzen. Bei Raumtemperatur kann Palladium das 380-fache des eigenen Volumens an Wasserstoff aufnehmen.

Das edle Metall ist in fein verteilter Form ein wichtiger Katalysator für chemische Reaktionen. Ein Katalysator ist in der Chemie ein Stoff, der chemische Reaktionen herbeiführt oder beeinflusst, selbst aber unverändert bleibt. Das Element tritt in der Natur vor allem in Verbindung mit Platin auf. Es wurde deshalb in der Vergangenheit als „günstigeres Platin“ bezeichnet. Chemisch betrachtet stimmt die Aussage weiterhin, weil sich die Metalle stark ähneln. Günstiger ist Palladium aber längst nicht mehr, es hat den Platinpreis an den Rohstoffbörsen weit überholt.

Palladium: Eine tragische Geschichte

Palladium ist ein junges Edelmetall. Entdeckt wurde es 1803 von William Hyde Wollaston. Er benannte es 1804 nach dem zwei Jahre vorher entdeckten Asteroiden Pallas, der wiederum nach der griechischen Göttin Pallas Athene benannt worden war. Sie ist unter anderem die Göttin der Weisheit, der Strategie und des Kampfes. Nicht nur Palladium ist nach ihr benannt, sondern auch die griechische Hauptstadt Athen. Man kennt die Göttin besser als „Athene“. Den Beinamen Pallas gab sie sich der griechischen Mythologie zufolge, nachdem sie die Kriegerin Pallas im spielerischen Kampf tödlich verwundete. Diese war zuvor durch Zeus, den Vater Athenes erschrocken worden, weil dieser in Sorge um Athene in den Kampf eingriff. Abgeleitet vom Wort „Pallas“, wohnt dem Edelmetall Palladium also eine gewisse Tragik inne.