Aktuelle News · 06.07.2022

Aktienkennzahlen: Wie Sie Kurse rational bewerten

Das Bauchgefühl ist ein schlechter Ratgeber bei der Geldanlage. Aktienkennzahlen helfen, Kursentwicklungen rationaler einzuschätzen und Wertpapiere miteinander zu vergleichen. Erfahren Sie hier, auf welche Kennzahlen Sie achten sollten und wie Sie diese am besten in Ihre Kaufentscheidung einbeziehen.

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Autor*in Tobias Gabriel

Aktienkennzahlen:
Wie Sie Kurse rational bewerten

Das Bauchgefühl ist ein schlechter Ratgeber bei der Geldanlage. Aktienkennzahlen helfen, Kursentwicklungen rationaler einzuschätzen und Wertpapiere miteinander zu vergleichen. Erfahren Sie hier, auf welche Kennzahlen Sie achten sollten und wie Sie diese am besten in Ihre Kaufentscheidung einbeziehen.

5 Regeln für die Interpretation von Aktienkennzahlen

Ein Blick auf Aktienkennzahlen ist sinnvoll, um kognitive Verzerrungen bei der Geldanlage zu umgehen. Fundamentaldaten börsendotierter Unternehmen geben Anhaltspunkte auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, seine (vermutliche) weitere Entwicklung und ob der Aktienkurs eher über- oder unterbewertet ist. Behalten Sie bei der Interpretation der Kennzahlen folgende Regeln im Hinterkopf:

  1. Nie eine Kennzahl isoliert betrachten: Für sich genommen, sagen einzelne Zahlen wenig aus. Betrachten Sie immer mehrere Aktienkennzahlen, die zu Ihrer Anlagestrategie passen. 

  2. Zeitliche Entwicklung berücksichtigen: Achten Sie auf den Verlauf einer Aktienkennzahl, anstatt nur den aktuellen Wert zu betrachten. So erhalten Sie ein Gefühl für die (erwartete) weitere Entwicklung.

  3. Mit anderen Aktien vergleichen: Ob eine Aktie über- oder unterbewertet ist, sehen Sie im direkten Vergleich mit Aktienkennzahlen von Unternehmen innerhalb einer Branche.

  4. Kontext betrachten: Neben einzelnen Aktienkennzahlen sind auch Kursverlauf, Geschäftsmodell und Zukunftschancen Faktoren, die Sie in die Aktienanalyse einbeziehen sollten.

  5. Geschäftsbericht lesen und verstehen: Eine Grundregel für Anleger lautet, dass sie zumindest keine größeren Beträge in Unternehmen investieren sollten, deren Geschäftsmodell sie nicht versehen. Besorgen Sie sich aktuelle Geschäftsberichte und studieren Sie diese genau.

Falls Sie wenig Zeit oder keine Muße haben, sich selbst tiefer mit Aktienanalysen zu befassen, erhalten Sie als Mitglied der Hanseatischen Anleger Community u.a. regelmäßige Marktanalysen.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Eine wichtige Aktienkennzahl, die Analysten betrachten, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es stellt den Aktienkurs ins Verhältnis zum erwirtschafteten Jahresgewinn des Unternehmens. Vereinfacht gesagt, gibt das KGV an, wie lange es dauert, bis das investierte Geld zurückverdient ist – unter der Annahme, dass der Gewinn über die gesamte Dauer konstant bleibt.

Wie alle Aktienkennzahlen ist das KGV im Zeitverlauf und im Vergleich mit Unternehmen derselben Branche zu interpretieren.

Was sagt ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis aus?

Ein niedriges KGV bedeutet, dass eine Aktie vergleichsweise günstig und an der Börse eher unterbewertet ist. Es kann eine Strategie sein, auf Unternehmen mit niedrigen KGV zu setzen, sofern von einem guten Wachstumspotential auszugehen ist.

Ab wann ein KGV niedrig ist, hängt von der Branche und der Konjunkturlage ab. Pauschal lässt sich sagen, dass Aktien mit einem einstelligen KGV als günstig gelten.

Was sagt ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis aus?

Ein hohes KGV heißt nicht zwangläufig, dass Aktien zu teuer sind, solange das Unternehmen gute Gewinnerwartungen aufweist. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis sollte daher immer im Kontext mit weiteren Aktienkennzahlen interpretiert werden.

Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Ein Nachteil des Kurs-Gewinn-Verhältnisses ist, dass Unternehmen Gewinne bzw. Verluste in der Bilanz relativ einfach beeinflussen können – zum Beispiel durch die Höhe der Rückstellungen.

Weniger manipulationsanfällig ist das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV). Dabei wird der Gewinn durch den Cashflow pro Aktie geteilt. Beim Cashflow handelt es sich um den Finanzüberschuss, also die freien Mittel, die ein Unternehmen zur Verfügung hat.

In der Regel weist ein Unternehmen mit niedrigem KGV auch ein geringes KCV auf. Ist das KCV wesentlich niedriger als das KGV, kann das bedeuten, dass das Unternehmen einen großen Teil der liquiden Mittel investiert hat. Das mindert den Gewinn, der in der Bilanz aufscheint.

Kurs-Buch-Verhältnis (KBV)

Auch das Kurs-Buch-Verhältnis (KBV) gibt Aufschluss, ob eine Aktie über- oder unterbewertet ist. Dabei handelt es sich um den Aktienkurs geteilt durch das Eigenkapital pro Aktie.

Ein KBV von 1 heißt: Die Aktie ist exakt so bewertet, wie es der Bilanz entspricht. Werte unter 1 deuten auf unterbewertete bzw. günstige Aktien hin, denn für 1 Euro investiertes Geld erhalten Anleger mehr als 1 Euro Eigenkapital des Unternehmens. Werte über 1 signalisieren entsprechend eine Überbewertung an der Börse.

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ist eine Ausschüttungsprognose. Sie ergibt sich aus dem Verhältnis des aktuellen Kurswerts und der Höhe der zuletzt ausgeschütteten Dividende. Manchmal wird auch die voraussichtliche Höhe der kommenden Dividende herangezogen.

Eine hohe Dividendenrendite wird meist positiv bewertet, da das Unternehmen einen Großteil des Gewinns an Anleger ausschüttet. Aber auch hier ist Vorsicht bei der Interpretation geboten. Unternehmen können diese Aktienkennzahl beeinflussen, zum Beispiel mit dem Ziel, Anleger nicht zu verunsichern. 

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote ist das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Gesamtkapital. Es ist vor allem interessant für Anleger, die wenig Risiken eingehen wollen. Eine hohe Eigenkapitalquote deutet auf ein finanziell stabiles Unternehmen mit einer hohen Kreditwürdigkeit hin.

 

Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite dagegen gibt an, wie rentabel das Unternehmen mit dem Geld der Aktionäre wirtschaftet. Es handelt sich um den Jahresgewinn geteilt durch das Eigenkapital (also das Kapital, das ein börsennotiertes Unternehmen von seinen Aktionären einsammelt). Wie viele weitere Aktienkennzahlen kann auch die Eigenkapitalrendite durch geschickte Buchhaltung geschönt werden.

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